"Wir wollen nicht immer nur über die Preise diskutieren. Es geht um die Qualität. Die von Voice-over-IP-Gesprächen zum Beispiel hat abgenommen. Über diesen Punkt müssen wir sprechen", sagte Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg dieser Tage gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, als es wieder einmal um das Thema
Internet-Maut ging. Das kann VoIP-Anbieter
Sipgate natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Die Düsseldorfer wehren sich gegen die Behauptung ihres Telekom-Kollegen, mehr noch: Sie sehen es als Tatsache, dass sich die Sprachqualität der Internet-Telefonie gegenüber den Vorjahren aufgrund der gestiegenen Bandbreite und neuer Endgeräte verbessert hat.
Maut fürs Surfen
Hintergrund des argumentativen Schlagabtauschs ist die wieder aufgekeimte Diskussion um eine Internet-Maut. Die Netzbetreiber beklagen den rasant und stetig
wachsenden Datenverkehr – ihren aktuellen Angaben zufolge soll sich das Datenvolumen im Internet alle zwölf Monate verdoppeln, so die "dpa". Das hat zur Folge, dass die Netze permanent ausgebaut werden müssen, um dem Datenansturm standhalten zu können. Aus Sicht der Netzbetreiber ist es da logisch, die Verursacher an den Kosten zu beteiligen: Sie versuchen bereits seit geraumer Zeit, Content-Produzenten wie Youtube, Google und Co. zur Kasse zu bitten, um sie damit am Netzausbau finanziell zu beteiligen. Die Inhalteanbieter selbst sehen durch diese Forderungen jedoch die Netzneutralität bedroht und fürchten das Ende der klassenlosen Gesellschaft im Online-Universum.
VoIP kein Datenverkehrssünder
Natürlich liegt es nahe, gerade VoIP als Datenverkehrssünder abzustempeln, benötigt doch jedes Internet-Telefonat etwa 100 Kilobit pro Sekunde Bandbreite für eine anständige Sprachqualität. Laut Sipgate wirkt sich der wachsende Bandbreitenhunger im Internet aber nicht auf die VoIP-Services aus: Aktuell und auf absehbare Zeit sei eine Übertragung aller von VoIP-Anbietern vermittelten Internet-Telefonate über die deutschen und internationalen IP-Netze uneingeschränkt und in hoher Qualität gewährleistet, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Mit der "dargestellten Drohkulisse" verfolge die Deutsche Telekom vielmehr die Absicht, die Kunden von VoIP-Anbietern nachhaltig zu verunsichern, um so ihr unter Druck geratenes Festnetzgeschäft zu stärken. Die Düsseldorfer fordern den Rosa Riesen daher auf, "die Verbraucher-Verunsicherung zu stoppen und im Sinne der Wettbewerbsgleichheit zu handeln".
Zudem würden sich laut Sipgate die VoIP-Anbieter schon heute, ebenso wie die Endkunden, an der Finanzierung der Infrastruktur beteiligen, da ihnen bereits jetzt für die Nutzung der IP-Netze signifikante Kosten entstehen. Außerdem gehöre VoIP bei weitem nicht zu den wahren Datenmonstern im Netz: So würde beispielsweise ein einziger HD-TV-Kunde pro Monat durchschnittlich mehr Datenverkehr produzieren, als rund 1.000 VoIP-Kunden zusammen.