Jürgen Grützner ist sauer. Der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) empört sich zunehmend über das Verhalten der
Telekom: "Diese Hängepartie, die die Deutsche Telekom seit Monaten zu Lasten des Wettbewerbs und auf dem Rücken von fast 100.000 Verbrauchern austrägt, ist unerträglich", poltert Grützner. "Trotz aller anderslautenden
Beteuerungen des ehemaligen Staatsunternehmens seit Anfang dieses Jahres kann bislang keine Rede davon sein, dass dort der Auftragsrückstau nachhaltig abgearbeitet und das Problem damit abschließend gelöst wird. Die Zeit der Appelle und Ankündigungen ist vorbei, jetzt müssen Taten folgen."
"Pure Diskriminierung"
Tatsächlich registriert der VATM weiterhin eine wachsende Zahl von Kunden, die bei Wettbewerbern der Telekom seit Wochen und Monaten auf eine Umschaltung ihres Anschlusses warten. Schon im
Januar hatte der Verband auf die Missstände hingewiesen und die Bundesnetzagentur zum Handeln aufgerufen. Heute findet bei der Regulierungsbehörde eine Anhörung von
Arcor und
Telefónica statt. Beide Breitbandanbieter hatten im Dezember eine
Missbrauchsklage gegen den Ex-Monopolisten eingereicht.
Massive Behinderung der dynamischen Marktentwicklung
"Die dauerhaft hohe Marktnachfrage bezüglich der Bereitstellung der Teilnehmeranschlussleitung ist der Telekom seit vielen Monaten aus etlichen Rückmeldungen der alternativen Anbieter bekannt", resümiert Grützner. "Die Telekom erhält von den Wettbewerbern Einmal-Entgelte für die Umschaltung, bei ihren eigenen Kunden nimmt sie die DSL-Umschaltung bei eigenen hohen Kundenzahlen innerhalb weniger Tage vor. Die Wettbewerber vor diesem Hintergrund mit Hinweis auf 'zu hohe Bestellmengen' zu benachteiligen, ist daher pure Diskriminierung und hat planwirtschaftliche Züge. Mit dieser Argumentation könnte der Ex-Monopolist dem Wettbewerb vorschreiben, wie schnell er wachsen dürfe. So hat man sich das bei der Liberalisierung des Festnetzmarktes sicher nicht vorgestellt." Grützner spricht von einer massiven Behinderung der dynamischen Marktentwicklung und einem gleichzeitigen Imageschaden für die ganze Branche.
Die Warteschleife als Werbefalle
Doch die Vorwürfe reichen weiter. Die Blockadehaltung der Telekom sei ärgerlich. Noch ärgerlicher sei es aber, dass die wartenden Kunden der Wettbewerber von der Telekom gezielt umworben werden. "Seit Anfang des Jahres gehen bei uns immer mehr Anrufe und Schreiben von verärgerten Verbrauchern ein, die sich über entsprechende Praktiken der Telekom und unaufgeforderte Werbeanrufe des Konzerns beschweren", berichtet Grützner. Der Verband rät allen betroffenen Kunden, sich direkt an die Verbraucherzentralen oder an die Bundesnetzagentur zu wenden.
Eigentlich wird eine Entscheidung seitens der Bundesnetzagentur bis Ende April erwartet: Missbrauchsverfahren müssen laut Telekommunikationsgesetz innerhalb einer Frist von vier Monaten von den Regulierern bearbeitet werden. Doch der VATM zeigt sich nur vorsichtig optimistisch: "Eine wie von Behörden-Chef Kurth angekündigte schnelle Entscheidung der zuständigen Beschlusskammer würde für alle Marktteilnehmer endlich Klarheit schaffen und den Kunden in der Warteschleife signalisieren, dass Abhilfe in Sicht ist", sagt Grützner.