Der Verleger Stefan von Holtzbrinck macht sich im deutschen Internet breit. Nach StudiVZ, SchülerVZ und dem baldigen Start einer
dritten VZ-Community für Berufstätige, ist jetzt mit
zoomer.de ein Online-Nachrichtenportal für die junge Internetgeneration der 20- bis 35-Jährigen gestartet.
Gewagtes Experiment
Dem Nachrichtenmagazin "Focus" sagte Peter Neumann, Geschäftsführer von zoomer.de, dass man mit rund 40 Redakteuren von Berlin aus das laut eigenen Angaben "erste echte Nachrichtenportal" starten werde. Als Aushängeschild und Herausgeber fungiert Ulrich Wickert, der ehemalige Moderator der "Tagesthemen". Wickert meldet sich auch mit politischen Stellungnahmen zu Wort. Die junge Zielgruppe, die statt Zeitung und Fernsehnachrichten überwiegend das Internet als Informationsquelle bevorzugt, soll mit einer Mischung aus redaktionellen Beiträgen und Artikeln von Lesern geködert werden.

Zoomer.de bringt News für die Internetgeneration.
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Screenshot: onlinekosten.de
Klicks entscheiden über wichtige News
Dabei sollen alle Artikel aufgrund des Klickverhaltens der Leser gewichtet werden. Beliebte, häufig angeklickte News sollen prominent auf der Website platziert werden und stark nachgefragte Themen breiter recherchiert werden. Um ein Abdriften in den Boulevard-Journalismus mit Stories um Paris Hilton und Britney Spears zu vermeiden, entscheiden die Redakteure jedoch letztendlich immer noch über die Relevanz der Nachrichten. Zu jeder Meldung soll es aber auch Diskussionsbeiträge der Leser geben, die besten Beiträge werden dann mittels Leserbewertung ermittelt.
Konzept noch nicht überzeugend
Die Gestaltung des Portals ist jedoch noch ein wenig unaufgeräumt. Mit Rubriken wie "Nachrichten-Zoom", "Gegensprechanlage" oder "Video-Zoom" wird versucht, die Sprache der jungen Zielgruppe zu treffen. Videos, Textnachrichten und die Bildergalerie "Ansichtssachen" finden sich bunt nebeneinander. Die abgehandelten Themen sind derzeit eher wenig weltbewegende Agenturmeldungen. Die Redaktion betreut neben dem neuen Nachrichtenportal auch das Online-Angebot der Berliner Zeitung "Tagesspiegel". Teils werden Artikel wortgetreu auf beiden Seiten zu lesen sein.
Vornehmlicher Zweck des Projektes ist natürlich, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Wie schon bei
StudiVZ soll auch bei zoomer.de auf personalisierte Werbung gesetzt werden. Chefredakteur Frank Syré sagte gegenüber dem Branchenmagazin "journalist":"Unser Ziel ist es, im Konzert der Nachrichten-Sites eine wichtige Rolle zu spielen." Das wird keine einfache Aufgabe sein.
Das meistgelesene deutsche Nachrichtenportal, Spiegel Online, steht derzeit mit rund 70 Millionen Visits (Dezember 2007) unangefochten an der Spitze, bild.de liegt mit rund 47 Millionen Visits schon abgeschlagen dahinter. Das Redaktionsteam von zoomer.de braucht also einen langen Atem, um da mithalten zu können. Geld genug im Hintergrund ist durch den Rückhalt des Holtzbrinck-Konzerns zwar vorhanden, doch in den gleichen Redaktionsräumen ist laut "journalist" im vergangenen Jahr bereits mit "Business News" ein anderes Nachrichtenprojekt von Holtzbrinck gescheitert.