2006 war nicht nur das WM-Jahr. Es was war auch das HDTV-Jahr. Vor allem die privaten Sender lobten die Vorzüge des kristallklaren, hochauflösenden Formats. Allen voran die ProSiebenSat.1-Gruppe, die als erstes Medienunternehmen die Sendungen in HD-Qualität ausstrahlte. Man war bester Hoffnung und auch ein wenig stolz: "
HDTV ist ein Quantensprung, mit dem das Medium Fernsehen einen Schritt in die Zukunft macht", sagte seinerzeit Guillaume de Posch, der Vorstandsvorsitzende der Gruppe. Jetzt hat ProSiebenSat.1 selbst einen Sprung gemacht – und zwar zurück.
2010 startet zweiter Versuch
Von der Euphorie ist nun nichts mehr zu hören – im Gegenteil: Die HDTV-Nutzung in Deutschland habe sich seit dem Sendestart der beiden hochauflösenden Kanäle Sat.1 HD und ProSieben HD im Oktober 2005 nicht wie erhofft entwickelt, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Bislang seien nur circa 150.000 Haushalte in der Lage, Sendungen in HD-Qualität zu empfangen. Als Folge wird der Konzern am Samstag den Stecker für das gesamte HDTV-Angebot ziehen. Zumindest vorläufig. Im Jahr 2010 wird die Sendergruppe über einen weiteren digitalen Satelliten-Transponder und eigene Kapazitäten für HD-Programme verfügen. Erst dann will man einen zweiten Versuch wagen.
Breitbildformat 16:9 ist Aufgabe genug
Bis dahin will man sich mit der sukzessiven Umstellung des Sendeformats auf das Seitenverhältnis von 16:9 begnügen. Nach Angaben der Sendergruppe ständen in Deutschlands Wohnzimmer mittlerweile drei Millionen empfangsbereite Fernseher – und ProSiebenSat.1 will ihren Besitzern nun erst einmal dabei helfen, "die technischen Möglichkeiten ihrer Geräte voll auszuschöpfen". Irgendwie hat der Gruppenchef Guillaume de Posch am Ende doch Recht behalten. Der Quantensprung ist in der Physik eben der kleinste machbare Hopser.
André Vatter