Es klingt sehr nüchtern, was das Brockhaus-Vorstandsmitglied Marion Winkenbach am Dienstag in einer Unternehmensmitteilung bekanntgab. Sie spricht von einer "strategischen Neuausrichtung" des Geschäfts. Im Klartext bedeutet das: Der Brockhaus als Buch ist Geschichte.
Vom Thron gestoßen
Seit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts ist der Brockhaus die Quelle gesicherten Wissens gewesen. 2001 kam die nie erwartete Konkurrenz aus dem Internet.
Wikipedia startete und der ehrwürdige Enzyklopädie-Verlag versuchte dem digitalen Ruck mit einer eigenen CD-Ausgabe der 30-bändigen Buchsammlung zu begegnen – über tausend Euro wollte der Verleger damals für den Silberling berechnen. Doch noch immer liefen die Abonnenten davon. Wikipedia mauserte sich derweil zur allumfassenden Wissensquelle, die durch die Beiträge ihrer eigenen Nutzer munter weiter wuchs und dabei nie an Aktualität verlor.
Spätestens seit dem letzten Jahr, in dem der "Stern" den Brockhaus im direkten Vergleich zur Wiki-Community auf den
zweiten Platz verwies und auch Google öffentlich Überlegungen anstellte, das enzyklopädische Mammutprojekt "
Knol" auf die Beine zu stellen, ist es eng für den Brockhaus geworden: "2007 wurden die Umsatzziele insbesondere im Segment der allgemeinen Lexika verfehlt", räumt der Verlag in der Mitteilung ein und spricht von einem Verlust in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro.
Der Brockhaus nur noch online?
"Der immer unübersichtlicher werdenden Flut von Informationen aus dem Internet stellen wir mit 'Brockhaus online' jetzt ein Wissensportal entgegen, das für Relevanz, Richtigkeit und Sicherheit steht", erklärte nun Marion Winkenbach. Der neue "Wissensnavigator im Netz" soll neben der Enzyklopädie auch weitere Lexika beherbergen und zudem mit seiner "multimedialen Ausstattung neue Maßstäbe setzen". Die Inhalte werden weiterhin ausschließlich durch die Redaktion gestellt, dem Mitmach-Netz soll der Zugang zum Brockhaus online verwehrt bleiben. Dennoch, räumt der Verlag ein, sollen Bibliophile auch in Zukunft auf ihre Kosten kommen – noch eine Zeit lang jedenfalls. Intern rechnet man aber bereits mit einer unumkehrbaren Verlagerung der Kundennutzung in das Internet.
Damit geht auch ein Wechsel des Geschäftsmodells einher. Setzte man bisher auf kostenpflichtige Angebote, so soll sich das neue Wissensportal allein durch Werbung finanzieren. Über einen Zeitplan wurde indes nichts weiter bekannt.