Die EU hat der Mobilfunkbranche ein Ultimatum zur Senkung der Tarife für SMS und Datendienste im Ausland gestellt. Sollten die Firmen bis 1. Juli keine Tarif-Obergrenzen einführen, werde die Behörde wie bei Handy-Gesprächen im Ausland eine EU-weite Regulierung vorschlagen, sagte Medienkommissarin Viviane Reding am Montag auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona.
Zu hohe Kosten
Eine SMS oder das Herunterladen eines Liedes dürfe den Verbraucher im Eu-Ausland nicht wesentlich mehr kosten als im Heimatnetz. Höhere Tarife müssten durch Mehrkosten gerechtfertigt sein "oder verschwinden", sagte Reding.
Reding kritisierte, eine SMS im Heimatnetz koste nach einigen Tarifmodellen nur noch einen oder zwei Cent, im EU-Ausland im Durchschnitt immer noch 29 Cent und in Einzelfällen mehr als 50 Cent. Während die mobile Übertragung einer Datenmenge von einem Megabyte im Heimatnetz zumeist weniger als ein Euro koste und erste Anbieter diese Leistung bereits für ein oder zwei Cent anböten, würden dafür im in ausländischen Netzen im Mittel noch 5,25 Euro und in manchen Ländern sogar bis zu elf Euro berechnet.
Den dafür von einigen Anbietern auf Großhandelsebene auf
25 Cent pro Megabyte gesenkten Tarif begrüßte Reding. Das zeige aber auch, dass die Netzbetreiber reichlich Spielraum bei der Tarifgestaltung hätten.
Euro-Tarif als Vorbild
Im vergangenen Jahr hatte die EU bereits Obergrenzen für Handy-Telefonate im Ausland
eingeführt. Zuvor hatten die Mobilfunkkonzerne auf Forderungen nach freiwilligen Höchsttarifen nicht reagiert. Deutsche Handy-Kunden zahlen seitdem für Anrufe aus dem Ausland höchstens 58 Cent pro Minute. In diesem und im kommenden Jahr sollen die maximalen Gebührensätze
weiter sinken.
Hayo Lücke
/ afp