Citron vergleicht das Online-Mobbing mit der Mentalität des Ku-Klux-Klans. "Wenn man in einer Menschenmenge ist, wo Leute dieselbe negative Ansicht haben und man sich in der Anonymität weiß, dann macht man Dinge, die man ohne Maske und Kapuze nie im Traum machen würde", sagt die Wissenschaftlerin.
Geschickte Attacken
Die Mobber terrorisieren ihre Opfer meist unter falschem Namen. Sie müssen sich oft nicht registrieren oder sie nutzen Technologien, die ihre Spuren verwischen. Selbst wenn sie enttarnt werden, hapert es an effektiven Gesetzen. So haben die Opfer von Online-Mobbing vor US-Gerichten bislang nur wenig Wiedergutmachung erfahren. "Das Gesetz erlaubt es den Opfern nicht, die Betreiber der Seiten zur Rechenschaft zu ziehen, weil die das Zeug nicht selbst schreiben", erklärt Citron.
Diese Image-Berater empfehlen unterdessen jedem, sich vorsorglich gegen mögliche Schikane im Internet zu wappnen. "Es wird immer wichtiger zu wissen, was da draußen alles über einen kursiert", sagt Nino Kader von IRM.
Ein Blick auf die Arbeit
So checken die Image-Berater immer als erstes, was die Suchmaschine Google über ihre Kunden ausspuckt. "Wenn Du nicht gerade ein Einsiedler bist, wirst Du gegoogelt", sagt Schiwietz. Laut IRM werden pro Sekunde rund 10.000 Google-Anfragen gestartet, und mit dem Siegeszug der Taschencomputer sollen es bald doppelt oder dreimal so viele werden.
Als zweites versucht IRM, die Internet-Hinterlassenschaften aufzupolieren. Dabei wird versucht, die guten Nachrichten in den Google-Resultaten so weit wie möglich nach oben zu verschieben. "Leute bauen ihren ersten Eindruck immer stärker darauf auf, was sie im Internet sehen. Aber nur wenige gehen über die ersten fünf Google-Resultate hinaus", sagt Kader.
Einer, der etwas digitales Botox nötig hätte, ist der 34-jährige Michael. Seine Geschichte wird in einem Buch des Washingtoner Jura-Professors Daniel Solove zur Intimsphäre im Internet erzählt. Michael saß als Teenager mal ganz kurz im Gefängnis und hatte darüber Artikel geschrieben. "Diese Artikel verfolgten ihn. Sie tauchten jedesmal auf, wenn jemand seinen Namen googelte", schreibt Solove. Und Michael wunderte sich, dass sich ein potentieller Arbeitgeber nach vielversprechenden Vorstellungsgesprächen nicht mehr meldete.