Im Kampf um die Vorherrschaft im Internet will der Google-Konzern eine Übernahme seines Konkurrenten Yahoo durch den Softwareriesen Microsoft
verhindern. Google-Chef Eric Schmidt habe seinem Yahoo-Kollegen Jerry Yang Unterstützung gegen das feindliche Übernahmeangebot angeboten, berichtete das Wall Street Journal. Google-Vizechef David Drummond warf Microsoft unterdessen vor, seine Dominanz auf dem PC-Markt nutzen zu wollen, um zusammen mit Yahoo nun auch im Internet eine vergleichbare Position zu erlangen. Yahoo betonte, eine Übernahme durch Microsoft sei "eine Option unter anderen".
Milliarden-Offerte mit Folgen
Microsoft hatte Yahoo am Freitag ein
Übernahmeangebot unterbreitet und für den Konzern 44,6 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Euro) geboten. Mit der Übernahme hofft Microsoft, dem Konkurrenten Google im Bereich der Internetwerbung ernsthaft zusetzen zu können. Das Angebot geht jedoch auch an einem Megaunternehmen wie Microsoft nicht ganz spurlos vorbei. Für das Magazin Börse Online belegt das Kaufangebot, das dem Schlusskurs an der Nasdaq vom vergangenen Donnerstag zufolge 62 Prozent über Wert liegt, wie verzweifelt der Software-Riese im Kampf ums Internet sei.
Immerhin muss der Konzern laut Spiegel Online für diese Akquisition erstmals in seiner Geschichte Schulden machen. So wird Microsoft-Finanzchef Chris Liddell zitiert, dass es sich um mehr als 20 Milliarden US-Dollar Baranteil handeln werde, da sein Unternehmen die Yahoo-Aktionäre je zur Hälfte in bar und mit eigenen Aktien auszahlen wird. "Wir könnten das meiste davon durch unsere Barreserven bezahlen, aber es ist wahrscheinlich, dass wir uns tatsächlich zum ersten Mal etwas leihen," so Liddell dem Magazin zufolge.
Yahoo prüft Angebote
Yahoo indes prüfe zur Zeit mehrere Optionen, um die beste Lösung für die Aktionäre und die Angestellten des Unternehmens zu finden, hieß es in einer E-Mail der Unternehmensführung an die Mitarbeiter. Bislang habe das Unternehmen aber noch keine Entscheidung getroffen. Auf das Übernahmeangebot von Microsoft werde Yahoo daher auch erst antworten, wenn der Verwaltungsrat des Unternehmens "alle unsere strategischen Alternativen" geprüft habe, hieß es in dem Schreiben.
Drummond hob im offiziellen Google-Weblog hervor, es gehe "um mehr als eine finanzielle Transaktion, eine Unternehmensübernahme". "Es geht um die grundlegenden Prinzipien des Internets: Offenheit und Innovation", warnte er. Microsoft wolle durch die Übernahme des Internet-Frühstars Yahoo, der zuletzt stark unter der Konkurrenz von Google zu leiden hatte, seine Position auf dem PC-Markt nutzen, um "unangemessenen und unrechtmäßigen Einfluss auf das Internet" zu gewinnen.
Dieser Meinung scheinen auch die Nutzer zu sein, betrachtet man die Kommentare zum Thema beim
Bilderdienst Flickr, einem Tochterunternehmen von Yahoo. Abwechslungsreich und farbenfroh
demonstrieren die Mitglieder ihre Abneigung gegen die Kaufofferte. So ist hier die Rede von Microsoft als
Imperium des Bösen, die Übernahme bedeute "Tod und Zerstörung" für Flickr. Ein anderer Nutzer verlangt von Microsoft
eine Million US-Dollar pro Monat, sonst dürfe der Konzern seine Fotos nicht nutzen. Auch werden bereits Stimmen laut, die sich von
Flickr verabschieden wollen, sollte es zur Übernahme von Yahoo durch Microsoft kommen.