Im Gespräch mit dem Handelsblatt erhebt Jaime Smith, Deutschland-Chef des Mobilfunk- und Internetanbieters
o2, schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Telekom und die für die Regulierung des Telekommunikationsmarktes zuständige Bundesnetzagentur.
Bis zu 40 Tage Wartezeit
Kritisiert wird von o2, einer Tochtergesellschaft der spanischen Telefónica, insbesondere die lange Wartezeit bis zur Schaltung eines
DSL-Anschlusses. Kunden müssten teilweise bis zu 40 Tagen auf eine DSL-Freischaltung warten. "Solche Wartezeiten sind völlig inakzeptabel", so Smith. Auch von der Bundesnetzagentur sieht sich der Anbieter nicht genug unterstützt, da sie sich nach Ansicht des o2-Managers weitgehend aus den Streitigkeiten raushalte. o2 erhält von der Muttergesellschaft Telefónica Rückendeckung und investiert bis 2010 rund 3,5 Milliarden Euro in den Ausbau eines eigenen Netzes. So soll mehr Unabhängigkeit von der Vergabepraxis der Telekom erreicht werden. Bei der Bundesnetzagentur steht auch noch die Entscheidung über eine
Klage von Telefónica gegen die Telekom aus.
Telekom wehrt sich gegen Vorwürfe
Die Telekom selber
widerspricht den Vorwürfen einer verzögerten Freischaltung von DSL-Zugängen für die Konkurrenz. Das Unternehmen schalte 30 Prozent mehr Anschlüsse frei, als es die Verträge mit den Wettbewerbern vorsähen.
Die Bundesnetzagentur war ebenfalls nicht untätig und hatte die Telekom mehrfach zum Abbau des
Auftragsstaus bei den DSL-Freischaltungen aufgefordert. Der Regulierer will die DSL-Bereitstellung beschleunigen und das Missbrauchsverfahren gegen die Telekom zügig bearbeiten. Auch die Entscheidung der Bundesnetzagentur der Telekom-Konkurrenz den Zugang zu den Leerrohren der Telekom zu
gewähren, soll den Wettbewerbern helfen schneller eigene Netze zu errichten.