Wer geht heutzutage schon noch arbeiten, um Geld zu verdienen. Aktionär müsste man bei Nokia sein, nicht Mitarbeiter: Den Eindruck könnte jedenfalls vor den Toren des
Bochumer Nokia-Werks entstehen. Während hier der Laden wegen "mangelnder Wettbewerbsfähigkeit" dicht gemacht wird, kann sich das Unternehmen über Riesengewinne freuen. Die Finnen haben ihren Gewinn im vergangenen Jahr deutlich auf 7,2 Millionen Euro gesteigert. Dies war eine Zunahme um 67 Prozent, wie das Unternehmen heute in Helsinki mitteilte. Im vierten Quartal kletterte der Gewinn demnach um 44 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Besonders stark zog den Angaben zufolge dabei der Verkauf von Handys an.
Anleger lassen Korken knallen
Die Anleger in Finnland reagierten auf die Nachricht erfreut: Die Nokia-Aktie sprang um knapp 13 Prozent in die Höhe. Pro Aktie soll eine Dividende in Höhe von 53 Cent ausgeschüttet werden. Das sind zehn Cent mehr, als noch vergangenes Jahr, in dem "nur" 43 Cent drin waren. Während also Nokia in Deutschland zurzeit in der Kritik steht, weil das Nokia-Werk in Bochum wegen zu hoher Personalkosten geschlossen werden soll, schreibt das Unternehmen dicke schwarze Zahlen. Die Gewerkschaften warfen dem Konzern daher maßloses Profitstreben vor.
Der Unmut wächst weiter
Der Unmut in der Bevölkerung ist groß: Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen mehr als die Hälfte der Deutschen
keine Nokia-Geräte mehr kaufen. Auch im Netz können sich Enttäuschte jetzt äußern. Unter
Sag-Nokia-Deine-Meinung.de hat eigens eine Aktions-Community eröffnet, auf der jeder die Möglichkeit erhält, gegen die Werkschließung in Bochum zu protestieren. "Wir hoffen, dass wir mit unserer Aktion dem Unternehmen drastisch vor Augen führen können, was die Menschen in Deutschland zu den Werkschließungen denken", erklären die Macher der Website ihr Anliegen. Dass Nokia sich von den Protesten noch mal umstimmen lässt, ist jedoch unwahrscheinlich.
Die Provisionen an den Vorstand müssen schließlich auch noch bezahlt werden: Der Nokia-Vorstandsvorsitzende soll Unternehmensangaben zufolge 440.000 Euro kassieren, statt der 375.000 Euro in den Jahren 2006 und 2007. Seine Kollegen bekommen hingegen keine Bonuserhöhung: Der Vize muss sich mit 150.000 Euro, die übrigen Vorstandsmitglieder mit 130.000 Euro Einmalzahlung begnügen.