Es ist fast schon Tradition, dass Professor Torsten J. Gerpott zu Beginn eines jeden Jahres auf der Euroforum Jahrestagung "Telecom Trends" einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die kommenden Monate gibt. So auch in diesem Jahr. In seinem Vortrag rückte der Leiter des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen, unter anderem die aktuellen Entwicklungen am Festnetz-, DSL- und Mobilfunkmarkt in den Mittelpunkt.
Alternativanbieter gewinnen Marktanteile
"Im Festnetzgeschäft konnten die alternativen Wettbewerber 2007 ihren Umsatz auf Kosten der Deutschen Telekom um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 13,9 Milliarden Euro steigern", sagte Gerpott am Montag in Köln. Insgesamt 37 Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von 37 Milliarden Euro werde inzwischen von Telekom-Wettbewerbern erwirtschaftet. Das entspreche gegenüber dem Vorjahr einem Plus von drei Prozent. Gleichzeitig könne ein klarer Trend beobachtet werden: Datendiensten komme eine immer bedeutenderer Werteanteil zu. Sie machen am gesamtdeutschen Telekommunikationsmarkt inzwischen einen Umsatzanteil von 23,5 Prozent aus.
Getrieben wird der Festnetzmarkt bei den Telekom-Wettbewerbern durch ein spürbares Plus der Verbindungsminuten bei den Komplettanschlüssen. Ende 2007 wurden laut Gerpott 375 Millionen Gesprächsminuten pro Tag über Telekom-Wettbewerber abgewickelt, davon fast 48 Prozent über Komplettanschlüsse. Vor zwei Jahren lag der Prozentanteil bei gerade einmal knapp 24 Prozent. Gleichzeitig verloren Call-by-Call und Preselection deutlich Marktanteile. Durch die zunehmende Verbreitung von DSL-Anschlüssen stiegen im Gegensatz dazu die vermittelten DSL- und IP-basierten Verbindungsminuten rasant an.
Wachstumsgrenze im DSL-Geschäft in Sicht
Das Breitband-Geschäft wurde einmal mehr durch ein starkes Wachstum der DSL-Technik dominiert. Nach Angaben der Bundesnetzagentur waren Ende 2007 18,6 Millionen DSL-Anschlüsse geschaltet. Gegenüber Ende 2006 entspricht das einem Plus von 4,1 Millionen. Rund 32 Prozent der insgesamt geschalteten DSL-Anschlüsse entfallen auf Telekom-Wettbewerber. Würden auch Resale-Anschlüsse mitgezählt, kommt der Wettbewerb bereits auf 50 Prozent der geschalteten DSL-Zugänge. Gerpott mahnt aber auch zur Voraussicht: "Es sind Wachstumsgrenzen in Sicht und es wird zu einem Verdrängungswettbewerb kommen." Ende 2007 habe die Anschlusspenetration gut 46 Prozent betragen. Die Grenze liegt laut dem Telekommunikationsexperten bei etwa 80 Prozent.