Das Beispiel der 18-jährigen Tomomi bestätigt seine Sorge. Die Schülerin verschickt täglich rund 20 E-Mails. "Es gibt Leute, mit denen ich nicht spreche, selbst wenn ich sie in der Schule sehe. Wir tauschen nur E-Mails aus. Ich schätze, uns verbindet nur ein Apparat."
Probleme fördern Nutzung
Saitos Studie ergab, dass manche Jugendliche ihr Mobiltelefon als eine Art emotionale Krücke brauchen. Dabei gilt: Je mehr Probleme im Elternhaus, desto größer die Handy-Sucht. So verschicken 60 Prozent der Schüler, die zuhause unglücklich sind, 20 oder mehr E-Mails pro Tag. Bei den zufriedenen Jugendlichen sind es nur 35 Prozent.
Je mehr das Handy das Leben der Schüler in Japan bestimmt, desto größer werden auch die Gefahren. So nutzen manche Jugendliche ihr Mobiltelefon für Schikane. Internet-Experte Yasukawa nennt das Beispiel eines 15-jährigen Opfers. "Du stinkst!", stand in den anonymen SMS, die das Mädchen erhielt, oder gar "Stirb!". Hinter dem Telefonterror steckte eine vermeintliche Freundin. Diese gab an, sie habe sich angesichts der Angst ihrer Kumpanin gut gefühlt.
Mobbing als Beschäftigung
"Eltern ahnen ja nicht, dass sich hinter den Handy-Displays eine wirklich schaurige Welt verbirgt", sagt Yasukawa. Da Schüler per Mobiltelefon persönliche Informationen preisgeben, können sie auch ins Visier von Betrügern oder Pädophilen geraten. Nur etwa ein Prozent der jungen Nutzer haben seinen Worten nach eine eingebaute Sperre für möglicherweise zwielichtige Seiten. Und auch in Internetforen von Schulen, auf die nur Schüler Zugriff haben, können Missetäter ungehindert und anonym Mitteilungen verschicken.
Wird ein Jugendlicher gemobbt, so könne er auf virtuellem Wege einen anderen Mitschüler wegen irgendeiner Nichtigkeit an den Pranger stellen, sagt Yasukawa. Das führe dann womöglich zu einem regelrechten "Überlebensspiel unter Kindern".
Hayo Lücke
/ afp