Montag, den 21.01.2008 07:40

Gefährliches Handy - Wie eine Droge

aus dem Bereich Mobilfunk
Ein Leben ohne ihr Handy können sich japanische Schüler nicht vorstellen. Viele sind geradezu besessen von den Mobiltelefonen, mit denen sie Stunden verbringen und dutzende Kurzmitteilungen pro Tag versenden. Was auf der Strecke bleibt, ist der Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Experten beklagen schon jetzt Kommunikationsdefizite bei Teenagern. Sie haben auch festgestellt, dass Schüler das Handy immer häufiger für Mobbing missbrauchen.

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Umfangreiche Handynutzung

Eine Umfrage der japanischen Regierung ergab kürzlich, dass ein Drittel der Grundschüler ein Handy benutzt. In der weiterführenden Schule sind es schon 96 Prozent der Schüler. Sie brauchen die Mobiltelefone, um SMS zu verschicken, zu plaudern, Bücher zu lesen, Musik zu hören und im Internet zu surfen. Junge Mädchen hängen im Schnitt 124 Minuten am Tag am Handy, Jungen 92 Minuten.

Zwar eröffnen die elektronischen Alleskönner neue Möglichkeiten des Lernens und Kommunizierens. Doch für manche Teenager werden sie zur Droge. Auf die Frage, was ihnen abgesehen von ihrem eigenen Leben am wichtigsten sei, antworteten viele japanische Schüler "Mein Handy!", berichtet Masashi Yasukawa, Vorsitzender des Nationalen Internet-Beratungsgremiums. "Sie bewegen ihre Daumen sogar, während sie essen oder fernsehen."

Wie eine Droge

Ihr Leben funktioniere nicht ohne Handy, berichtet etwa die 20-jährige Ayumi Chiba. "Wenn ich mal vergessen hatte, es mit in die Schule zu nehmen, habe ich eine Krankheit vorgegaukelt, so dass ich eher heim konnte." Viele Jugendliche fühlten sich ohne ihr Handy unsicher, erklärt der Tokioter Soziologieprofessor Hideki Nakagawa, "genauso wie Vertreter ohne ihre Visitenkarten".

Bei einer Studie mit 1600 japanischen Mittelschülern um die 14 Jahre gaben 60 Prozent an, ein Mobiltelefon dabei zu haben. Fast jeder zweite verschickt 20 E-Mails oder mehr pro Tag. Dabei nutzen die Schüler ihr Handy weniger für Plauderei als für Kurzmitteilungen. Sie fühlten sich sicherer, wenn sie es nicht mit einem Gegenüber aus Fleisch und Blut zu tun hätten, sagt der Studienleiter, Pädagogikprofessor Tetsuro Saito, der um die Kommunikationsfähigkeiten seiner jungen Landsleute fürchtet.
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