Das große Tauziehen am DSL-Markt nimmt aktuell etwas bizarre Züge an: Gestern gab die United Internet AG in einer obligatorischen Ad-hoc-Meldung bekannt, dass sie ihren Anteil am Grundkapital der
Versatel AG nun auf insgesamt
25,05 Prozent erhöht hat. Damit verfolge man eine strategische Positionierung im Rahmen der erwarteten weiteren Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes, hieß es in der Meldung aus Montabaur. "United Internet hält sich alle Optionen offen, unter anderem auch die Beteiligung an der Versatel AG weiter zu erhöhen." Nun teilt der Übernahme-Kandidat jedoch mit, dass die Strategie von United Internet weiter unklar sei.
Keine Stellung bezogen
Versatel zufolge begrüße man grundsätzlich jeden Investor, der den strategischen Wert der eigenen Infrastruktur anerkenne und die Strategie des Unternehmens in Partnerschaft mit dem Management unterstützen möchte. Seiner besonderen Verantwortung als mittlerweile zweitgrößter Aktionär sei United Internet den Berlinern zufolge jedoch noch nicht nachgekommen: "Bislang hat das Management von United Internet nicht konkret zu seinen Plänen und Zielen für die Beteiligung an der Versatel Stellung bezogen", so Peer Knauer, Vorstandsvorsitzender bei Versatel. Um der Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, seinen Kunden, Mitarbeitern und Anteilseignern gerecht zu werden, solle diese Unsicherheit durch das Unternehmen in Montabaur schnell beseitigt werden, so Knauer weiter.
Pläne im Interview erklärt
Dieser öffentliche Kommentar zur Anteilsübernahme scheint mehr als ungewöhnlich. Zumal United Internet nicht nur in der jüngsten Meldung auf die verfolgten Ziele eingegangen ist. Bereits im Dezember gab Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender von United Internet, in einem
Interview die aktuellen Pläne seines Unternehmens bekannt. Darin hieß es, allein schon aufgrund des Preises stände eine Komplettübernahme von Versatel, wie auch von Freenet, derzeit nicht im Raum. Zuletzt waren die Aktienkurse der beiden Unternehmen aufgrund von Übernahmephantasien an den Aktienmärkten gestiegen. Daher profitiere man zunächst nur wirtschaftlich durch die Anteile an den beiden Konkurrenten. "Solange der DSL-Markt stark wächst, es quasi Brei regnet, sollte man den Löffel hinhalten und alle Energie ins organische Wachstum lenken", so Dommermuth im Dezember. Überlegungen zur Erzielung von Synergieeffekten müssten erst bei einer Abkühlung des Marktes in den Vordergrund treten.
Auf Anfrage von onlinekosten.de zeigt sich United Internet erstaunt über die Mitteilung von Versatel: "Wir haben alles zu den Zielen der Anteilsübernahme gesagt. Wir sind der aktive Player, der die Rahmenbedingungen der erwarteten Konsolidierung steckt und gestalten damit aktiv die Zukunft", sagt dazu Marcus Schaps, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei United Internet. Insofern sollten Versatels Zukunftspläne den Montabaurn gut in den Kram passen: Man konzentriere sich auf die erfolgreiche Weiterentwicklung, heißt es aus Berlin. Das im November vorgestellte Effizienzsteigerungsprogramm trage erste Früchte und werde dabei helfen, Mehrwert für die Versatel-Aktionäre zu schaffen.