Freitag, 11.01.2008 00:01

Domain-Tasting: Provider zocken Kunden ab

aus dem Bereich WebHosting
Das kostenlose Ausprobieren von Internetdomains soll wohl bald der Vergangenheit angehören. Das kündigte die Internetbehörde ICANN jetzt als Resultat auf einen Untersuchungsbericht an, der sich mit dem Thema "Domain-Tasting" beschäftigte. Auch einen Lösungsvorschlag gibt es schon: Künftig sollen auch für kurzzeitig gesicherte Domainnamen Registrierungsgebühren anfallen.

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Missbrauch durch Domainhändler

Bislang war es möglich, registrierte Internetdomains innerhalb einer Frist von fünf Tagen ohne Kostenaufwand an den Registrar der Top-Level-Domain zurückzugeben und zu löschen. Diese Möglichkeit sei aber laut ICANN von einigen Domainhändlern immer wieder missbraucht worden, um Domains innerhalb der Frist auszutesten. In den USA macht derzeit das Gerücht die Runde, dass der Domainanbieter Network Solutions von Kunden abgefragte Domains auf sich selbst registriert haben soll, um sie anschließend mit einem Aufpreis an den Kunden weiter zu verkaufen. Experten sprechen dabei vom so genannten "Frontrunning". Bei dem Vorgang werden Internetdomains, die über Suchmaschinen und Domainabfragesysteme auf Verfügbarkeit abgefragt werden, quasi reserviert. Das sei natürlich nicht im Sinne des Erfinders, argumentiert die Internetbehörde auf ihrer Internetseite das Vorgehen der Händler. Eigentlich sei die Fünf-Tages-Frist eingeräumt worden, um Fehler bei der Registrierung schnell und kostenneutral korrigieren zu können.

Das Geschäft mit Whois-Abfragen

Damit verbunden ist auch die Diskussion um die Whois-Abfragen. Das Szenario ist einfach: Der Whois-Provider kauft sofort die abgefragten Domains in der Hoffnung, sie an den verkaufen zu können, der die Abfrage gestartet hat. Ein lohnendes Geschäft, wenn man bedenkt, dass dadurch der Preis hochgetrieben werden kann. Bleibt es nur bei der Abfrage, kann der Provider die Domain innerhalb der Fünf-Tages-Frist einfach wieder löschen - ohne das dafür Kosten entstanden sind.

Fünf US-Cent Gebühr

Vorreiter beim Kampf gegen den Registrierungsmissbrauch ist der amerikanische .org-Registrar, der bereits eine "Schutzgebühr" von fünf US-Cent eingeführt hat. Mit Erfolg: Die Zahl der Domainlöschungen ging rapide zurück. Branchenkreisen zufolge werden jeden Monat rund zehn Millionen Internetadressen im Rahmen des kostenlosen "Schnupperns" reserviert und innerhalb der Frist wieder freigegeben. Ob auch die anderen Registrare dem Beispiel folgen werden, steht noch nicht fest. Hinter den Kulissen und in den Internetforen der Internetbehörde ICANN wird derzeit noch heftig diskutiert und verschiedene Szenarien "durchgespielt". Denkbar wäre auch eine komplette Abschaffung des Domain-Tastings.
Michael Friedrichs
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