Es ist schwer zu glauben, dass Bill Gates künftig nicht mehr Microsoft sein soll und Microsoft nicht mehr Bill Gates. Doch der 52-Jährige will sich tatsächlich in den kommenden Monaten aus dem von ihm gegründeten Computerkonzern zurückziehen. "Erstmals seit ich 17 war, werde ich nicht mehr meinen Vollzeitjob bei Microsoft haben", sagte der Multimilliardär am Sonntag bei seinem letzten
großen Auftritt, der Eröffnung der Elektronikmesse CES in Las Vegas. "Ich weiß nicht, wie dieser Tag sein wird - es könnte komisch werden." Gates will sich künftig ganz für die mit seiner Frau Melinda gegründete Stiftung engagieren, die unter anderem kranken Kindern in Afrika hilft.
Wohlstand = Verantwortung
"Ich glaube, dass mit dem Geschenk des großen Wohlstands eine große Verantwortung kommt", sagte Gates, der mit einem Vermögen von 59 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr zum 13. Mal in Folge die Forbes-Liste der Reichsten der Welt anführte. Auf den Punkt brachte es seine Frau: "Wem, wie uns beiden, viel gegeben wurde, der soll auch viel zurückgeben." Über die mit rund 30 Milliarden US-Dollar ausgestattete Stiftung führt die High-Tech-Ikone bereits seit Jahren einen weltweiten Kampf für bessere Ausbildungschancen und gegen Krankheiten wie Aids, Malaria oder Tuberkulose.
Soziales Engagement gut fürs Image
Gates Engagement als Wohltäter brachte ihm auch einen bedeutenden Imagegewinn. Denn der 52-Jährige, der mit seinem jungenhaften Grinsen, seiner runden Brille und legeren Kleidung immer noch ein wenig aussieht wie der Student, als der er vor drei Jahrzehnten seine beispiellose Karriere begann, war nicht immer beliebt. Mehr als einmal wurde Microsoft vorgeworfen, seine Monopolstellung zu missbrauchen. Die Wettbewerbsbehörden haben seit langem ein wachsames Auge auf Gates' Unternehmen. Denn trotz erstarkter Konkurrenz dominiert das von ihm entwickelte Betriebssystem Windows noch immer die Computerwelt.