Die EU-Kommission plant den Binnenmarkt für Online-Musik, -Filme und -Spiele zu stärken. Internet-Provider, Telekommunikationsunternehmen und Produzenten digitaler Inhalte sollen künftig enger zusammenarbeiten. Hauptziele sind die Schaffung eines Binnenmarktes für Online-Inhalte sowie ein wirkungsvoller Schutz für Urheberrechte.
Online-Binnenmarkt
"Europas Inhalte-Branche leidet unter ihrer rechtlichen Zersplitterung, unter dem Mangel an klaren, verbraucherfreundlichen Regeln für den Zugang zu urheberrechtsgeschützten Online-Inhalten und unter ernsten Streitigkeiten der Beteiligten über grundlegende Belange wie Kopieabgaben und Privatkopien", sagte die Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding. Weiterhin heißt es: "Wir müssen uns entscheiden in Europa: Wollen wir eine starke Musik-, Film- und Spiele-Industrie? Dann sollten wir der Industrie Rechtssicherheit verschaffen, den Urhebern eine angemessene Entlohnung und den Verbrauchern breiten Zugang zu einem reichen Angebot von Online-Inhalten". Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderem mit gebietsübergreifenden Lizenzen für kreative Inhalte, Interoperabilität und Transparenz von DRM-Systemen, ein breites legales Angebot und natürlich die Bekämpfung der Piraterie. Konkrete Empfehlungen zur Umsetzung sollen Mitte dieses Jahres vorliegen.
Vorbild Frankreich?
In der Mitteilung der Kommission taucht ein Begriff auf, den alle gut informierten Freibeuter seit kurzem fürchten müssen: Frankreich. Wie sich mittlerweile herumgesprochen hat, haben die Franzosen bereits am 23. November des letzten Jahres eine
Vereinbarung zwischen Internet-Providern, Musik- und Filmproduzenten sowie der Regierung unterzeichnet. Gleichzeitig wurde auch eine neue Internet-Behörde ins Leben gerufen, die bei illegaler Nutzung des Internet die Verbindung einfach unterbricht oder gleich dauerhaft kappt. Zwar wurde in der Mitteilung der EU die Regelung Frankreichs nicht konkret als Vorbild bezeichnet, jedoch zumindest positiv registriert.
Vierfacher Gewinn in fünf Jahren
Laut einer Studie der EU-25 würde ein echter Binnenmarkt ein Einkommen von 8,3 Milliarden Euro für die Online-Branche bis 2010 bedeuten. Zum Vergleich: Im Jahre 2005 waren es "nur" 1,8 Milliarden Euro. Im Augenblick erscheint die Forderung der EU nach neuen DRM-Systemen eher kurios, hat doch kürzlich erst das vierte große Plattenlabel darauf
verzichtet.