Die weihnachtliche Ruhe ist vorbei und eine Welle der Entrüstung rollt lärmend auf Google zu. Mitte Dezember hatte Google seinem beliebten Programm zum Lesen von
RSS-Feeds, dem Google Reader, ein neues
Web 2.0 gemäßes Feature spendiert. In der schönen neuen Internetwelt soll ja alles mit jedem vernetzt sein. So auch bei Google.
Freunde haben Zugriff
Wer mit mir chattet und in meinem Adressbuch steht, der muss doch einfach mein Freund sein. So die Philosophie von Google. Und schon gibt Google allen "Freunden" aus
Gmail und
Google Talk den Zugriff auf die abonnierten Feeds frei. Dadurch können etwa auch Arbeitskollegen Einblick erhalten auf die eventuell doch recht private Feed-Auswahl. Feeds zu Sado-Maso Vorlieben, zu politischen Ausrichtungen oder zu anderen, sehr persönlichen Interessen, die man unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit wähnte, präsentieren sich nun allen Bekannten. Der Reader ist automatisch so voreingestellt.
Google verspricht Besserung
Google zeigte sich in einer ersten Reaktion in dem eigens für Google Reader gegründeten
Blog überrascht von den harschen Reaktionen. Eine Frau beschwerte sich, dass sie nicht wolle, das ihr Ex-Mann ihre Feeds lese. Die Mailadresse ihres ehemaligen Mannes müsse aber in ihrem Adressbuch bleiben, da sie noch Details der Scheidung regeln müssten. Nur ein Beispiel von hunderten Kommentaren. Im Blog gab Google hilfreiche Anweisungen, wie man ausgewählte Feeds als privat deklarieren kann. Unter Einstellungen im Bereich Tags hat man einige Wahlmöglichkeiten zur Deklarierung von abonnierten Newsfeeds als privat oder öffentlich.
Ganz pragmatisch empfahl Google einen eher zweifelhaften Lösungsansatz. Man könne ja auch ganz einfach bestimmte Freunde aus der Kontaktliste von Google Talk oder Gmail entfernen. Die User fordern dagegen in verschiedenen Internetforen, dass sie selber entscheiden wollen, wer Zugriff auf die Feedauswahl hat und wer nicht. Eine automatische Voreinstellung seitens Google ist da kontraproduktiv. Google versprach Abhilfe und eine flexiblere Handhabung der Feed-Kontrolle. Einen Zeitpunkt für eine Änderung der jetzigen Praxis gab Google jedoch nicht an.
Privatsphäre per Klick im Google Reader.
Screenshot: onlinekosten.de