Tom und Tina*) sind verliebt. Sie fiebern schon der Klassenfahrt entgegen: Dann soll es passieren, erste Liebe in Hotelkissen. Das muss doch gefilmt werden – wozu hat Tom das Handy dabei? Doch die Liebe zerbricht nur Stunden danach. Tom stellt das Video später ins Internet. Aus Spaß? Aus Rache? Die ganze Schule sieht den beiden jetzt "dabei" zu. Tom und Tina sind 13 und zwölf Jahre alt.
Handy-Missbrauch bei Jugendlichen nimmt zu. Zu diesem Ergebnis kommt auch die jüngste
Jugend-Information- und Media-Studie, die der Medienpägagogische Forschungsverbund Südwest herausgegeben hat. Mit 95 Prozent besitzen fast alle der 1200 befragten Jugendlichen ein mobiles Telefon. Nahezu jeder dritte zwischen zwölf und neun Jahren hat erlebt, dass eine "Spaß-Schlägerei" gefilmt wurde: "Happy Slapping"-Videos gibt es demnach fast doppelt so oft wie 2006.
"Pornos nicht in Ordnung"
Ähnlich sieht es beim Austausch pornografischer und gewalttätiger Videos aus. Kein Wunder, haben doch zwei Drittel der jugendlichen Handyfans eine Bluetooth-Schnittstelle und vier von fünf eine integrierte Kamera und Internet zur Verfügung. An der Technik fehlt es also nicht – aber ob die Teenies sich der Macht der Plattform Internet bewusst sind, bleibt zumindest fragwürdig.
"Besitz und Weitergabe von gewalthaltigen und pornografischen Bildern
und Videos sind nicht in Ordnung", betont Lucie Höhler, Mitarbeiterin bei
jugendschutznet.de. "Das sollten Eltern ihrem Kind klarmachen." Solche Taten könnten auch strafbar sein, ebenso wie Bedrohen und Belästigen per Handy. Wer Zeuge oder Opfer von "Happy Slappings" wird, sollte Eltern oder Lehrer informieren. "Das ist eine ernst zu nehmende Sache", weiß Höhler. "Ist ein Video erstmal in Umlauf, kann man kaum noch kontrollieren, wo es überall verbreitet wird." Dann hilft nur noch eins: Den Empfang der Video-Sendung über Bluetooth ablehnen, wenn man nichts damit zu tun haben will.
Tom und Tina sind jetzt "kuriert". Sie waren einige Wochen Top-Thema im Jahrgang, wechselten dann auf Rat der Lehrer die Schule. Tina besucht ein Gymnasium im Nachbarort. Hier kennt sie niemand und das ist gut so. Von Tom hat sie nichts mehr gehört. An ihrer alten Schule sind Handys inzwischen verboten.
*) Namen von der Redaktion geändert