In dem vierminütigen Video warnte ein Sprecher mit verzerrter Stimme die "Kreuzfahrer und Feinde des Islam in Amerika, Europa und speziell in Deutschland". Das neue Drohvideo der "Globalen Islamischen Medienfront" (GIMF) sorgte auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden für Wirbel. Denn auf der dreitägigen Konferenz mit dem Titel "Tatort Internet" ging es schwerpunktmäßig um die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus im Netz.
Internet als Kriminalitätsmedium
"Der Staat darf sich nicht blind, taub und handlungsunfähig machen", fasste BKA-Präsident Jörg Ziercke die Suche nach einer neuen "Kriminalistik der digitalen Welt" zusammen. Im Fokus der Polizei stehen dabei aber auch Kinderpornografie und rechtsextremistische Websites.
Das islamistische Propaganda-Netzwerk GIMF, das bereits im März ein ähnliches Video veröffentlicht hatte, griff diesmal nicht nur die Regierungen Österreichs und Deutschlands wegen ihres Engagements in Afghanistan an, sondern auch Muslime in Deutschland, die sich um Integration bemühen. So werden die Logos des Zentralrats der Muslime in Deutschland und der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) gezeigt. Auch Bilder ihrer Vorsitzenden sind zu sehen. Nach Auffassung des BKA verändert sich die konkrete Gefahrensituation in Deutschland durch das Video zwar nicht. Doch es sei keinesfalls harmlos, da es eine "Emotionalisierung bei denen hervorrufen" könnte, die sich sowieso "leicht fanatisieren" ließen, sagte Ziercke.
Rund 5800 Websites mit terroristischen Inhalten gibt es nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes im Internet. Hunderte von Terror-Helfer stellen alles Mögliche ins Netz - von Erziehungstipps für Mütter von angehenden Selbstmordattentätern über kriegerischen Computerspiele für die Kleinsten bis hin zu detaillierten Anleitungen zum Sprengstoffmischen und Bombenbauen. Nach einer US-Studie beschäftigen sich 60 Prozent der entsprechenden Seiten allerdings mit eher ideologischen und kulturellen Fragen.