Freitag, 30.11.2007 10:34

DSL-Anbieter auf der Jagd nach Kunden

aus dem Bereich Breitband
Der Preiskampf im DSL-Sektor hält auch diesen Monat wieder unvermindert an. Wortgewandte Vertreter preisen im Auftrag der Provider die Vorzüge ihrer DSL Tarife mit den schnellen Internetverbindungen und kostenlosem Telefonieren. "Endlos surfen und telefonieren" und "komplett einfach" zeichnen sie die DSL-Welt in den schönsten Farben. Informationen zu Mindestvertragslaufzeiten von 24 Monaten oder zur Installation eines DSL-Modems bleiben dabei häufig außen vor.

Onlinekosten.de berichtete kürzlich über eine 84-jährige Rentnerin, der per Haustürgeschäft ein DSL-Vertrag angedreht wurde, obwohl sie gar keinen Computer hat. Die Polizei hatte schließlich den Widerruf des Vertrages erreicht. Nach Recherchen der Zeitung "Express" handelte es sich bei dem DSL-Anbieter um freenet. Bei unseren Lesern stieß der Bericht auf große Resonanz. Wir haben daher bei den großen DSL-Providern Freenet, Telekom, Arcor, Tele2, 1&1 und Alice nachgehakt und haben die DSL Anbieter um Auskunft zu ihrer Vertriebsstruktur, zur Installation des DSL-Modems und den Regelungen bei einem möglichen Vertragswiderruf gebeten.

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Externe Partner für Haustürgeschäfte

freenetlogo1.gif Aufgrund unseres Artikels meldeten sich Leser und berichteten über vergleichbare Fälle im Zusammenhang mit freenet: So hatte eine 76-jährige Frau beispielsweise einen Vertrag bei dem DSL-Provider abgeschlossen, besaß aber ebenfalls keinen PC oder Notebook. Freenet wollte sich nicht auf eine Kündigung einlassen. Glück hatte dagegen eine 82-jährige Frau nach ihrem DSL-Vertragsabschluss: Als Sohn und Enkel davon erfuhren, hatten sie zunächst schriftlich und telefonisch mit Freenet Kontakt aufgenommen. Obwohl die Widerrufsfrist von 14 Tagen schon verstrichen war, hat das Unternehmen letztlich doch den Vertrag storniert. Mit ein Grund dürfte gewesen sein, dass die alte Dame ihre Unterschrift gänzlich unleserlich unter den Vertrag gesetzt hatte.

Freenet bietet nach eigenen Angaben seine DSL-Produkte einerseits in den Freenet-Mobilcom-Shops an, arbeitet aber auch mit externen Partnern bei Promotionaktionen und dem Haustürgeschäft zusammen. Die wiederum beschäftigen teilweise Subunternehmen, die laut Freenet aber ebenfalls geschult sind. Für die Schulung sind jedoch die externen Firmen selbst zuständig. Freenet gibt aber Vorgaben und Richtlinien, die von den Agenturen eingehalten werden müssen, sonst drohen Vertragsstrafen oder Kündigung. Mit älteren Kunden wird nicht gesondert umgegangen, da Freenet keine bestimmte Kundengruppe diskriminieren wolle. Bei den Freenet-Komplettpaketen ist für die Telefonnutzung kein PC erforderlich. Mit vorkonfigurierter Hardware und Auto-Installation für 29,90 Euro gibt es auch ein Angebot für technisch unerfahrenere Nutzer. Bei Freenet-DSL-Paketen mit Telekom-Anschluss muss beachtet werden, dass weiterhin ein PC zur Einrichtung zwingend notwendig ist.

Freenet-Kunden haben das gesetzliche Widerrufsrecht von 14 Tagen ab Erhalt der Widerrufsbelehrung. Eine telefonische Stornierung ist nicht möglich, sie muss in Textform (Brief, E-Mail oder Fax) erfolgen. Bei erstmaligem Aufbau einer DSL-Verbindung durch den Kunden erlöscht das Widerrufsrecht. Freenet schaltet grundsätzlich keine Anschlüsse innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist um Probleme zu vermeiden.

Wettbewerbswidrige Beratungen sind verpönt

T-Home_label.jpg Die Deutsche Telekom setzt in ihrem Vertrieb alle erdenklichen Kanäle ein. So gibt es neben den Telekom-Shops, eigenen Call Centern, dem Internetvertrieb sowie dem Vertrieb über Partnerunternehmen wie Media Markt auch den Direktvertrieb mit verschiedenen Dienstleistern. Laut Telekom gebe es nur angestellte und geschulte Berater, um eine gewisse Qualität zu gewährleisten. Eingehende Aufträge müssen exakt dokumentiert sein. Gerade wenn es um den Vertrieb von Telekom-Produkten geht, so tummeln sich jedoch nach Berichten unserer Leser dort etliche Drittfirmen, die angeblich oder in der Tat im Auftrag der Telekom Neukunden werben sollen. Wir erhielten von einem Leser den Bericht, dass zwei über 75-jährige Frauen an der Haustür einen DSL-Komplettanschluss bestellt hatten, da ihnen erzählt wurde, sie könnten nun kostenlos telefonieren. Vorher hatten sie jedoch lediglich Telefonrechnungen von rund 25 Euro, für das nur in Teilen genutzte DSL-Komplettpaket müssen sie nun rund 50 Euro monatlich zahlen.

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