Donnerstag, 15.11.2007 12:10

Arcor zieht Bandbreitenhungrige an

aus dem Bereich Breitband
Bei Arcor hat man einen Blick aufs Konto geworfen und ein satt-schwarzes Plus gefunden: Die Eschborner haben im ersten Geschäftshalbjahr nicht nur mehr Kunden gewinnen können, sondern auch rund zehn Prozent mehr umgesetzt als noch im Vorjahreszeitraum. Anders als bei Telekom, United Internet oder freenet scheint sich der Preiskampf am Markt bei Arcor weniger auszuwirken. Während die Kundenzahlen der Konkurrenz ebenfalls wachsen, die Umsätze aber sinken, legen die Eschborner auf ganzer Linie zu. Das ehemalige Kerngeschäft mit Call-by-Call und Preselection verliert jedoch weiter an Bedeutung.

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Plus auf ganzer Linie

In den ersten sechs Monaten des aktuellen Geschäftsjahres 2007/2008 bringt es Arcor auf 1,131 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr 2006/2007 waren es noch 1,032 Milliarden Euro. Auch der EBITDA, der Umsatz vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, legte in den vergangenen sechs Monaten ordentlich zu und stieg um elf Prozent, von 183 auf nun 203 Millionen Euro. Die wohlgenährte Bilanz spiegelt sich auch in den Investitionen wieder: Rund 13 Prozent mehr, nämlich 138 Millionen Euro, konnte Arcor in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres vornehmlich in den Netzausbau fließen lassen. Aktuell erreicht das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mehr als 60 Prozent der deutschen Haushalte mit eigenen Telefon- und Internetanschlüssen.

Auch die Zahl der DSL-Kunden konnte das Unternehmen nach oben schrauben: Inzwischen haben sich 2,339 Millionen Nutzer für einen Datenhighway von Arcor entschieden, 40 Prozent mehr als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Geschäft mit Call-by-Call und Preselection verliert hingegen erheblich. Bei Call-by-Call zählen die Eschborner nur noch 1,67 Millionen Kunden, bei Preselection 1,019 Millionen – das sind satte 31 beziehungsweise 32 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Vertrieb und Multimedia ziehen

Auch wenn der Anteil des DSL-Resalegeschäfts im Vergleich zur ersten Hälfte des vergangenen Geschäftsjahres um einen Prozent auf nun 121 Millionen Teilnehmer gesunken ist, sieht das Unternehmen hier eine große Chance für seine künftige Geschäftsentwicklung. Der Einstieg ins Wholesale-Geschäft mit Vodafone Deutschland sei positiv verlaufen, daher will Arcor diesen Bereich pflegen: "Wir werden unsere Vertriebswege über Wiederverkäufer in den nächsten Monaten erweitern", sagt Arcor-Vorstandsvorsitzender Harald Stöber. Dazu solle der Vertrieb von Arcor-DSL unter der Marke Vodafone künftig gestärkt werden. Stober äußert sich aber auch optimistisch, dass sein Unternehmen bald die nächsten Vertriebspartner präsentieren könne.

Darüber hinaus ist für Arcor die eigene durchgängig auf dem Internet-Protokoll (IP) basierende Infrastruktur ein Schlüsselfaktor für den Geschäftserfolg. In Kürze will Arcor hierüber Digital-TV in 51 Städten und Gemeinden einführen und künftig noch höhere Bandbreiten erzielen, um weitere Multimediadienste anbieten zu können. Als Bremsklotz erweist sich dabei jedoch noch die Telekom, zu deren Kabelverzweigern Arcor Zugang haben möchte. Zwar hat der Regulierer dies schon grundsätzlich abgenickt, der Ex-Monopolist scheint sich aber quer zu stellen: "Wir müssen mit der Telekom jetzt schnell zu einer praktikablen Lösung kommen. Wenn wir hier zu viel Zeit verlieren, überlassen wir neue Services anderen Anbietern", so Arcor-Chef Stöber.
Aleksandra Leon
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