Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit einem Demenzrisiko und Augenproblemen womöglich gut daran tun, ihre grauen Zellen am Bildschirm auf Trab zu halten. Wie hilfreich solche Programme aber tatsächlich sind, ist umstritten.
Gehirnjogging über Nintendo DS
Der japanische Branchenriese Nintendo hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 8,6 Millionen Kopien seines Gedächtnistrainings-Programms "Brain Age" für die Spielkonsole DS verkauft, davon 1,4 Millionen in den USA. In Deutschland sind die Programme unter dem Titel "Gehirn-Jogging" auf dem Markt. Seit Sommer 2006 gingen mehr als 750.000 Exemplare über die Ladentheke.
Zwar verspricht der Hersteller keinen direkten gesundheitlichen Effekt. Wohl aber bringe die vom japanischen Neurologen Ryuta Kawashima entwickelte Software die Gehirne ihrer Nutzer "auf Hochtouren", wirbt Nintendo. Die Aufgaben für die meist älteren Nutzer sind breit gestreut, reichen vom klassischen Gedächtnistraining bis hin zu Mathematik, Lesen und sogar Musik. Dem Unternehmen zufolge wird vor allem jener Teil des Gehirns stimuliert, mit dessen Hilfe gespeichertes Wissen im Alltag abgerufen wird.
Lynn Lipton ist begeistert: "Die Spiele helfen mir bei der Konzentration und verbessern das Erinnerungsvermögen", sagt die 67-jährige Großmutter aus Poughkeepsie (US-Bundesstaat New York). Vor allem mit dem Einmaleins habe sie immer größere Probleme bekommen, erzählt sie. Heute schärfe sie ihren Verstand am Monitor.
Nintendo sieht großes Potenzial
Nintendo-Sprecher Andrew Carle sieht in einer alternden Gesellschaft großes Potenzial für solche Angebote. Viele Senioren wollten "ihr Gedächtnis trainieren und intellektuell aktiv bleiben", sagt er. Die Wissenschaft habe festgestellt, dass sich das Gehirn genauso trainieren lasse wie der Körper, erläutert der Washingtoner Altersforscher. So könnten neue Nervenzellen sprießen und neue Verschaltungen entstehen - sogar verloren gegangene Funktionen könnten wiedererlangt werden, glaubt Carle.