In einem vielbeachteten Prozess in den USA muss sich seit Dienstag (Ortszeit) eine 30-jährige Angestellte wegen Weitergebens von Musikdateien an andere Internetnutzer verantworten. In dem Verfahren vor dem Bezirksgericht in Duluth im Bundesstaat Minnesota wirft der mächtige Verband der Musikindustrie in den USA (RIAA) Jammie Thomas vor, zahlreiche Songs von Plattenfirmen wie Virgin Records oder Sony BMG Music Entertainment über die Internet-Tauschbörse Kazaa verbreitet zu haben.
Thomas bestreitet die erhobenen Vorwürfe. Ihr Anwalt Brian Toder erklärte in seinem Eröffnungsstatement, eine Urheberrechtsverletzung lasse sich nicht nachweisen. Seine Mandantin sei darauf eingestellt, 60.000 Dollar (über 42.000 Euro) an Anwaltskosten zu bezahlen statt sich auf einen Vergleich einzulassen.
Die RIAA-Anwälte beschuldigen Thomas dagegen, mehr als 1700 Songs in einem Share-Ordner bei Kazaa für möglicherweise Millionen von Internetnutzern zur Verfügung gestellt und der Musikindustrie damit Milliardenschäden zugefügt zu haben. Soweit bekannt, handelt es sich um die erste der zigtausend Filesharing-Klagen in den USA, die es bis zu einer Verhandlung vor einem Geschworenengericht gebracht hat. Bislang hatten sich die meisten Beklagten aus Furcht vor den finanziellen und rechtlichen Folgen mit der RIAA verglichen.
Hayo Lücke
/ afp