Der überraschende Abschied von Premiere-Boss Georg Kofler, der Ende August seinen Posten als Vorstandsvorsitzender bei Deutschlands erfolgreichstem Pay-TV-Sender räumen wird, hat an der Börse Skepsis über die weitere Entwicklung des Unternehmens ausgelöst. Der Aktienkurs fiel in den Morgenstunden deutlich, konnte sich zwischenzeitlich aber wieder stabilisieren.
Premiere-Aktie verliert deutlich
Nachdem das Papier in den frühen Morgenstunden zunächst deutlich auf bis zu 18,50 Euro zulegen konnte, verlor es nach Bekanntwerden von Koflers Rücktritt an Wert. Zwischenzeitlich sackte der Kurs um vier Prozent auf 17,72 Euro in den Keller. Am Mittag stabilisierte sich die Aktie aber wieder bei rund 18 Euro.
"Überraschungen bedeuten immer Unsicherheit für den Markt", sagte Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe gegenüber der Nachrichtenagentur dpa und verwies darauf, dass bei Premiere nun Ungewissheit über die weitere strategische Vorgehensweise herrsche.
Kofler hat "reines Gewissen"
Unterdessen kündigte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) an, routinemäßig den Handel mit Aktien der Premiere AG im Vorfeld des Kofler-Rücktritts zu untersuchen. Eine formale Untersuchung soll eingeleitet werden, sollten sich Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten ergeben. Kofler hatte vergangene Woche über 1,2 Millionen Premiere-Aktien verkauft und damit mehr als 22 Millionen Euro kassiert. Gegenüber Dow Jones Newswires sagte er, es sei "das normalste von der Welt", dass er sich auch finanziell aus einem Unternehmen zurückziehe, das er verlasse. Er habe "ein absolut reines Gewissen."
Hayo Lücke