Die jüngsten Forderung der nordrhein-westfälischen CDU nach Handy-Filtern gegen die Verbreitung von Gewaltfotos und Videos stößt bei Experten auf breite Skepsis. Grundsätzlich seien Versuche zu begrüßen, Gewaltvideos zu unterbinden, sagte Manfred Breul, Leiter Telekommunikation beim IT-Branchenverband BITKOM, am Montag in Berlin. Allerdings stamme die gezielte Filterung digitaler Inhalte aus dem Bereich politischen Wunschdenkens und sei "technisch gesehen blanker Unsinn".
Datenschutz ade?
Andere Experten befürchten einen generellen Eingriff in den Datenschutz. Die NRW-CDU will die Handy-Hersteller laut "Rheinischer Post" vom Montag dazu bewegen, ihre Geräte mit einer Sicherung gegen die Verbreitung von Gewaltbildern auszustatten. Eine selektive Filterung gewalttätiger Inhalte geht nach Ansicht von Breul am Machbaren "völlig vorbei".
"Ich halte das für schlichtweg unmöglich", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe keine Filter, die Gewaltszenen auf dem Schulhof oder unvorteilhafte Fotos von Lehrern erkennen und sperren könnten. Der Sprecher des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Wolfgang Heer, sagte, vor den Handynetzbetreibern seien die Gerätehersteller am Zuge, wenn eine Filterung überhaupt technisch machbar sei. Beanstandete Dateien ließen sich außer via Handynetz auch per Bluetooth-Kurzstreckenfunk, über Speicherkarten, direkte Kabelverbindungen und via Internet austauschen. Der sicher gut gemeinte politische Vorstoß würde dazu führen, dass die Handys praktisch kaum noch nutzbar wären.
Verbotene Inhalte zurückverfolgen
Laut "Rheinischer Post" versucht die Düsseldorfer Staatskanzlei über die Mobilfunkbetreiber auf die Handyhersteller einzuwirken. Ziel sei es, Fotos und Videos im Internet zurückzuverfolgen, die beispielsweise mutwillig herbeigeführte Prügelszenen unter Jugendlichen zeigen. Aber auch "diskriminierende Aufnahmen von Lehrern im Unterricht" könnten auf diese Weise eher unterbunden werden als durch ein totales Handy-Verbot an Schulen, sagte der CDU-Medienexperte Thomas Jarzombek der Zeitung.
Vor gut zwei Wochen hatte der japanische Kamerahersteller Canon bekannt gegeben, dass er anhand der gemeinsam mit den Fotos gespeicherten so genannten Exif-Metadaten (Exchangable Image File Format) den Fotografen ermitteln will, der den jüngsten Harry-Potter-Roman abfotografiert und kostenlos ins Internet gestellt hatte. Der US-Verleger der Harry-Potter-Bücher hatte juristische Schritte gegen die illegale Bereitstellung im Internet eingeleitet. Nach Angaben der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) existieren bereits eine Reihe von Farbdruckern, die unbemerkt auf jedem Ausdruck einen nahezu unsichtbaren Farbcode setzen, der Rückschlüsse auf die Seriennummer des Geräts und den Zeitpunkt des Ausdrucks ermöglicht.