Ein anhaltender Boom vor allem bei Flachbildfernsehern beschert den Herstellern von Unterhaltungselektronik nach Branchen-Angaben in diesem Jahr ein Wachstum von voraussichtlich 4,5 Prozent. Das Marktsegment Flachbildfernseher sei mit 50 Prozent Zuwachs weiterhin der entscheidende Wachstumstreiber, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsrat der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) und Vorstandschef der Internationalen Funkausstellung (IFA), am Donnerstag in Berlin. Nach seinen Angaben erwartet die Branche zur IFA, die ab dem 31. August sechs Tage lang unter dem Berliner Funkturm stattfindet, erneut eine Ausstellerbeteiligung auf Rekordniveau.
Flachbildschirme kommen an
Im Gesamtjahr will die Branche laut Kamp erstmals die Umsatzmarke von 23 Milliarden Euro überspringen. Die Hersteller bereiten sich darauf vor, in den nächsten Jahren bundesweit 40 Millionen Röhrenfernseher durch moderne Flachbildgeräte auszutauschen. Die gfu beklagt allerdings, dass der Mangel an Kauffilmen und Fernsehprogrammen in hochaufgelöster Bildqualität als Bremse beim Verkauf von HDTV-Geräten wirke. "Das Interesse der Industrie besteht darin, die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehanstalten zu bewegen, schneller mit entsprechenden Angeboten zu kommen", sagte Kamp.
Der IFA-Vorstandschef machte zugleich deutlich, dass mit einem Marktdurchbruch des Handy-Fernsehens wegen des zu hohen Preises und bislang fehlender Angebote nicht schnell zu rechnen sei. Die Umstellung des analogen UKW-Radios auf das Digitalradio DAB bezeichnete er als weitgehend gescheitert. Weder die Industrie noch die Verbraucher seien bereit gewesen, die Kosten aufzubringen. DAB habe sich in anderen Ländern durchgesetzt, nicht jedoch in Deutschland.
IFA lockt Besucher mit mehr Events
Nach Angaben der Messe Berlin haben bereits 1170 Aussteller ihre Beteiligung zugesagt, über weitere Ausstellungsflächen sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Unter anderem kehrt auch der japanische Unterhaltungselektronikkonzern Sony zurück, der seine IFA-Beteiligung im vergangenen Jahr abgesagt hatte. Den bisherigen Ausstellerrekord verzeichnete die IFA im Jahr 2005 mit 1202 Firmen. Seither findet die IFA nicht mehr nur alle zwei Jahre, sondern jährlich statt. Dies führte im vergangenen Jahr zunächst zu einem Besuchereinbruch von etwa 15 Prozent. Deshalb wollen die Veranstalter mit einem attraktiveren Veranstaltungsprogramm und Konzerten wie beispielsweise der US-Rocksängerin Pink wieder mehr Besucher anlocken.
Die weltweite Leitmesse der Unterhaltungselektronik dringt in immer mehr Bereiche vor, die bislang ihren Platz auf der weltgrößten Computermesse CeBIT hatten. Unter anderem gehören in diesem Jahr Digitalkameras, Notebooks, Telekommunikation, Speichertechniken und Netzwerke zu den Messeschwerpunkten.
Hayo Lücke
/ afp