"VoIP am Handy hat
Potenzial" – so äußerte sich Marktforscher Philipp Bohn von Berlecon, als er im September vergangenen Jahres gefragt wurde, wie die Zukunftsaussichten der
mobilen Internet-Telefonie sind. Schließlich würden die höheren Datenraten mobiler Internet-Anbindungen Möglichkeiten bieten, wie mit IP-basierten mobilen Sprach- und Datendiensten doch noch etwas aus
UMTS zu machen sei, so Bohn weiter. Die Mobilfunknetzbetreiber scheinen das jedoch anders zu sehen: Bei
Vodafone, dem größten Mobilfunker der Welt, der sich hierzulande auch als
DSL-Anbieter einen Namen gemacht hat, dürfen deutsche Kunden mit Datentarifoption ab morgen, 8. Juli, kein VoIP mehr nutzen.
Zwei Jahre Vorwarnzeit
Bereits vor zwei Jahren kündigte das
Kleingedruckte der Düsseldorfer diesen Schritt an.
"Ab dem 08.07.2007 wird eine Voice over IP-Nutzung mit den Tarifoptionen technisch unterbunden." hieß es damals in der Unternehmensmitteilung. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt nun die Pressestelle die Umsetzung der Maßnahme. Wer also einen der Vodafone WebConnect Tarife nutzt, um mobil per UMTS oder
GPRS online zu gehen, darf künftig nicht mehr auf VoIP-Dienste zugreifen. Dies gilt dann für VoIP-Lösungen wie beispielsweise
Fring oder auch
Skype for Mobile, die eine Mobilfunk-Datenverbindung für Sprachübertragungen nutzen. Wer mobiles VoIP jedoch per WLAN oder Callthrough nutzt, ist von der "Dienste-Diskriminierung" nicht betroffen.
Verräterische Protokolle
Eine technische Unterbindung ist jedoch schwierig: Internet-Telefonate können zwar anhand verwendeter Protokolle, wie
SIP,
IAX oder
H.323, erkannt werden. Skype nutzt aber beispielsweise ein ganz eigenes Protokoll, das auf der vom Filesharing bekannten Peer-to-Peer-Technik beruht. Daher wird Vodafone die Internet-Telefonie nicht, wie angekündigt, technisch ausgrenzen: Stattdessen sollen Kunden durch die Vertragsbedingungen dazu verpflichtet werden, VoIP nicht zu nutzen. Geschieht dies doch, hat Vodafone eine Grundlage, um den Vertrag zu kündigen. Wie hart der Mobilfunker dabei durchgreift, wird die künftige Praxis zeigen, wahrscheinlich ist jedoch, dass zunächst nur Kunden ins Visier geraten, die exzessiv mobil per Internet telefonieren.