Möglicherweise noch im Laufe des Sommers wird der Mobilfunk-Netzbetreiber
o2 in Deutschland eine neue Marke einführen, die mit Billigtarifen preissensible Kunden ansprechen soll. Das berichtet das "Handelsblatt" in seiner heutigen Ausgabe.
Neue Zweitmarke
Der scheidende o2-Chef Rudolf Gröger habe demnach das Ziel ausgegeben, sparsame Kunden nicht kampflos dem Wettbewerb zu überlassen. Gröger hatte in den zurückliegenden Monaten immer wieder verneint, ein Billig-Label zu starten, nach Informationen aus dem Konzernumfeld zuletzt aber eingesehen, dass er in einem Markt voll neuer und aggressiver Wettbewerber nicht um diesen Zug herum komme, berichtet die Zeitung weiter.
Ähnliches hat offensichtlich auch die Deutsche Telekom eingesehen und stellt mit ihrer neuen Marke
congstar in voraussichtlich zwei Wochen neben günstigen DSL-Tarifen auch preislich noch attraktivere Mobilfunk-Angebote vor.
Bei o2 stehen darüber hinaus weitere Änderungen in der Personalstruktur an. Nicht nur Deutschland-Chef Gröger muss seinen Stuhl räumen, auch IT- und Netztechnik-Chef Alexander Röder muss seinen Posten aufgeben. Laut "Handelsblatt"-Angaben stehe Röder "schon seit Monaten auf der Abschussliste, es dauert nicht mehr lange", wie es Unternehmenskreisen heiße. Röder ist für die IT der gesamten o2-Gruppe verantwortlich. Es seien aber kaum Vorschläge von ihm umgesetzt worden. Experten beschreiben die IT-Systeme als viel zu komplex und zu starr.
Netzausbau schreitet voran
Kritisch ist auch die Netzabdeckung von o2 zu sehen. Noch immer ist das Netz nicht flächendeckend ausgebaut worden, immerhin rund acht Prozent aller o2-Gespräche werden im Roaming-Verfahren über das Netz von T-Mobile abgewickelt. Das bedeutet zusätzliche Kosten, die selbst bei Großhandelspreisen bei mehreren hundert Millionen Euro lägen. O2 arbeitet aber stark an einer Verbesserung dieser Situation. Noch in diesem Jahr soll der Anteil der nationalen Roaming-Verbindungen im T-Mobile-Netz deutlich verringert werden.