Dienstag, 03.07.2007 08:19

Bundesregierung plant Testkäufe bei "Killerspielen"

aus den Bereichen Sonstiges, Computer
Die Bekämpfung von gewaltverherrlichenden Computerspielen rückt zunehmend in das Interesse der Politik. Vor einer Woche zitierte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" aus einer unveröffentlichten Studie des Bundesfamilienministeriums. Danach sind viele Spiele vor einem Verbot schon längst über die Ladentische gegangen. Bereits Anfang Mai hatte das Magazin über zu lasche Kontrollen bei der Zulassung von Computerspielen berichtet. Künftig will die Bundesregierung daher noch mehr Spiele verbieten, meldet die Tageszeitung "Die Welt". Doch kann "Masse statt Klasse" nicht der richtige Weg sein, die Probleme in den Griff zu bekommen.

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Neue Kriterien

Bisher rutschen zu viele Spiele nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) durch den Filter der Kontrollinstanz Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Diese Einrichtung wird auch von den Spieleherstellern gefördert. Effizientere Kontrollen verspricht sich das Hans-Bredow-Institut von der Einführung neuer Kriterien. Die Art der Einbindung von Gewalt, deren Realitätsnähe, aber auch Suchtrisiko und Angst machendes Potenzial sollen mehr ins Kalkül gezogen werden. In Zukunft sollen auch Medienforscher und Kriminologen die Gefahren der Computerspiele untersuchen. Nicht nur Gewalt verherrlichende Spiele auf den Index kommen, sondern auch "gewaltbeherrschte" Spiele. Die Politik befürchtet, dass die Hemmschwelle im Zusammenhang mit der spielerischen Anwendung von Gewalt auch im wirklichen Leben deutlich sinken könnte. Entsprechende Anhaltspunkte hatte es in der Vergangenheit schon häufig gegeben.

Nach der Sommerpause will die große Koalition eine Gesetzesnovelle zur Verschärfung des Jugendschutzes einbringen. Dann soll auch das Bundeskabinett über schärfere Maßnahmen bei den so genannten Killerspielen entscheiden. Um die Vorschriften besser überwachen zu können, sollen nach den Gedankenspielen von Ministerin von der Leyen Testkäufer den Handel kontrollieren. Wolfang Schulz vom Hans-Bredow-Institut könnte sich auch vorstellen, Jugendliche als Testkäufer loszuschicken. Allerdings müsse dabei besonders auf das Alter geachtet werden. Bredow ist an einer Studie zum Jugendschutz bei Video- und Computerspielen beteiligt, die von der Leyen beauftragt hat. Auch seine Erkenntnisse sollen in den Gesetzentwurf mit einfließen.

USK beanstandet jedes fünfte Spiel

Von den etwa 2.700 durch die USK jährlich untersuchten Spielen geht von etwa einem Fünftel eine Gefahr für die Jugend aus. Diese Zahl erscheint der Politik als zu gering. Schon wird spekuliert, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) hätte auch Spiele auf den Index gesetzt, die von der USK durchgewunken worden. Bei kritischen Titeln sollen beide Kontrollinstanzen mehr Hand in Hand arbeiten. Die Spiele-Hersteller haben zudem angekündigt, die Selbstkontrolleinrichtung USK neu aufstellen. Eine bessere Öffentlichkeitsarbeit und mehr Transparenz bei der Bewertung der Spiele sollen das öffentliche Image stärken. In einem noch zu schaffenden USK-Aufsichtsgremium sollen auch Wirtschaft und Länder einen Platz finden.
Stefan Hagedorn
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