Wieder hat der Regulierer ein bisschen an der Preisschraube gedreht: Bereits Ende März wurden die
Monatsmieten für die so genannte letzte Meile reduziert, jetzt waren die einmaligen Entgelte für die Leitungs-Miete dran. Außerdem wurden neue Preise für das Line Sharing festgelegt. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat heute ihre Entscheidungen bekannt gegeben, die bereits am Sonntag, 1. Juli, in Kraft treten werden. Der Bundesverband Breitbandkommunikation BREKO und der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) zeigen sich indes zufrieden mit der Höhe der Preissenkung.
Will ein Provider einen Kunden im Netz der Deutschen Telekom AG mit seinem Dienst versorgen, muss er die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) anmieten. Dafür werden einerseits einmalige Kosten für die Auftragsbearbeitung und technische Umsetzung sowie schließlich für die Kündigung fällig. Die monatlich erhobenen Entgelte dienen hingegen dazu, erforderliche Investitionen wie Material und Verlegung der letzten Meile abzudecken.
Ein paar Euro gespart
Ab Juli wird nun das häufigste Szenario, nämlich die Übernahme einer Zweidraht-Kupferdoppelader ohne Schaltarbeiten beim Endkunden, für Telekom-Wettbewerber gegen eine Bereitstellungsgebühr in Höhe von 36,19 Euro zu haben sein. Damit sinkt der Preis um 16 Prozent, vorher wurden 43,10 Euro durch die Telekom in Rechnung gestellt. Auch die Neuschaltung eines Anschlusses inklusive Arbeiten ist günstiger geworden. Hier werden jetzt nur noch 63,10 statt der bisher üblichen 69,78 Euro fällig, ein Minus von 9,6 Prozent. Das Kündigungsentgelt wird bei der Rückgabe der TAL fällig und soll künftig 5,21 Euro betragen, wenn der Endkunde zur Telekom oder einen anderen Wettbewerber wechselt. Wird die TAL ohne Umschaltung zurückgegeben, fallen hingegen 20,93 Euro an.
Line Sharing ebenfalls günstiger
Auch fürs Line Sharing werden die Bereitstellungs- und Kündigungsentgelte ab Juli günstiger. Wollen Telekom-Wettbewerber den oberen Frequenzbereich einer Telekom-Leitung mieten, um Daten per DSL zum Kunden übertragen zu können, so zahlen sie für die Neuschaltung ohne Arbeiten am Kabelverzweiger oder beim Endkunden künftig 60,82 Euro. Der Zugang zum hochbitratigen Teil der TAL kann sich die Telekom hingegen ab kommenden Monat mit 1,91 Euro monatlich bezahlen lassen. Alle neuen Entgelte für TAL und Line Sharing sind nun bis Ende Juni 2008 gültig, die kürzlich geänderten Entgelte für Mietleitungen wurden bis Ende März kommenden Jahres genehmigt.
Beim BREKO findet die Absenkung der Entgelte "weitgehende Zustimmung", wie der Verband mitteilt. Im Vorfeld hatte Geschäftsführer Rainer Lüddemann zwar gefordert, das Entgelt beim Kundenwechsel um 20 Prozent zu senken. Nun seien es im Schnitt 15 Prozent geworden. "Unsere Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, aber das Signal ist erfreulich", so Lüddemann. Auf Unverständnis stößt beim BREKO aber weiterhin die Regelung, dass Provider auch bei Kündigung eines Kunden und der damit verbundenen Rückgabe der TAL zur Kasse gebeten werden. Darüber hinaus sei immer noch ungewiss, ob durch die Einkaufsvorteile der Reseller bei DSL-Wholesale von mehr als 50 Prozent die Firmen, die im BREKO organisiert sind und ihr eigenes Netz haben benachteiligt.
"Die Bundesnetzagentur ist mit dieser Entscheidung ihrer Politik einer vorsichtigen Absenkung von Vorproduktpreisen treu geblieben", kommentiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die Entscheidung. "Die möglichen Absenkungspotenziale wurden jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. So liegen die Einmalentgelte nun im europäischen Vergleich in Deutschland immer noch um bis zu 50% über dem Durchschnitt."