Seit mehr als fünf Jahren geht es dem alten, analogen Antennenfernsehen an den Kragen. Bessere Bild- und Tonqualität und mehr Programmauswahl sind die Argumente, die das
Überallfernsehen populär machen sollen. Nicht nur Ballungsräume, auch ländliche Gebiete werden zunehmend auf die digitale Technik umgestellt. Das Konzept funktioniert. Doch ziehen seit einigen Wochen dunkle Wolken am Firmament auf und trüben die positive Stimmung. Ein neuer Standard soll her, damit alles noch besser und schöner wird. Er nennt sich DVB-T2 und würde alle bisher verkauften Set-Top-Boxen unbrauchbar machen.
Einführung in kleinen Schritten
In den vergangenen Wochen zeigten sich nicht wenige Programmverantwortliche von dem Gedanken angetan, auf DVB-T2 umzusatteln. Erst Mitte April war der
neue Standard vom zuständigen DVB-Konsortium auf der Broadcasting- und Fernsehmesse NAB 2007 in Las Vegas abgesegnet worden. In Europa soll die Einführung von DVB-T2 voraussichtlich im kommenden Frühjahr auf der Tagesordnung stehen. Dass deshalb DVB-T nicht automatisch zum "alten Eisen" gehört, haben sowohl ARD und ZDF inzwischen deutlich gemacht. Mindestens zehn Jahre sollen nach den derzeitigen Plänen weiterhin Programme über das "alte" DVB-T übertragen werden.
Um der neuen Technik dennoch schon frühzeitig eine Chance zu geben, favorisieren die Sender inzwischen einen so genannten Simulcastbetrieb. So könnten beispielsweise in Ballungsräumen DVB-T2-Signale auf bislang ungenutzten Frequenzen übertragen werden und somit eine schrittweise Umstellung auf den neuen Kompressionsstandard MPEG4 einläuten.
HDTV über die Hausantenne
Mit bis zu sieben TV-Sendern sowie zusätzlichen Datendiensten und Hörfunkangeboten könnte die zur Verfügung stehende Bandbreite optimaler genutzt werden. Bei der bisher verwendeten Technik sind maximal vier Programme auf einer Frequenz realisierbar. Als positiver Nebeneffekt ist eine Senkung der Verbreitungskosten zu erwarten. Dann könnte sich auch so mancher Privatsender, der bisher bei DVB-T keine Rolle spielt, eine terrestrische Verbreitung leisten. Sogar hochauflösende Angebote, die erheblich mehr Bandbreite verbrauchen, hätten bei DVB-T2 eine Chance.
HDTV-Programme gibt es bereits im DVB-T2 Standard für Satelliten-Direktempfänger, aber auch in manchen Kabelnetzen. Für die Zukunft ist eine Verbreitung als IPTV-Stream über das Internet vorgesehen. Als erstes Großereignis sollen im Februar 2010 die Olympischen Winterspiele in Vancouver auch hochauflösend bei ARD und ZDF zu sehen sein. Damit dann bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern alles reibungslos klappt, sollen in spätestens zwei Jahren erste Testsendungen beginnen. Diese bleiben allerdings Astra-Zuschauern vorbehalten. Wenn 2010 DVB-T2 seine Markteinführung feiert, könnte den Olympischen Spielen eine weitere Premierenfunktion zukommen.