Angesichts des Höchststandes der HIV-Neuinfektionen in Deutschland hat die Deutsche Aids-Stiftung eine stärkere Nutzung des Internets für die Aufklärung gefordert. Obwohl das Internet in immer stärkerem Maße für die Vermittlung von Sexualpartnern genutzt werde, habe das Medium bisher für die Prävention "eher am Rande" eine Rolle gespielt, sagte der geschäftsführende Vorstand Ulrich Heide anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Stiftung. Heide warnte davor, die Immunschwächekrankheit trotz verbesserter Therapien zu unterschätzen.
Ansprache im Netz
Bisher hätten Printmedien und Plakate dominiert, sagte Heide im WDR. Es müsse aber nach neuen Ansprachemöglichkeiten oder neuen Botschaften für die Zielgruppen gesucht werden, die sich nicht mehr konsequent vor Ansteckung schützen. Aids werde in Deutschland "nicht mehr ernst genommen" und allenfalls als Problem der Entwicklungsländer betrachtet, sagte Heide weiter. Ein Grund sei, das Aids hierzulande nicht zu der gesellschaftlichen Katastrophe geworden sei wie in den 80er Jahren zunächst befürchtet.
Höchste Zunahme seit 1993
Die Einstellung, dass Infizierte "ein paar Pillen schlucken" müssten, ansonsten aber keine Nachteile hätten, sei falsch. Viele Erkrankte entwickelten zum Teil heftige Nebenwirkungen auf die Medikamente. Es gebe ganz neue Krankheitsbilder bis hin zu Demenzsymptomen bei relativ jungen Menschen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.611 neu diagnostizierte HIV-Infektionen gemeldet. Das war die höchste Zunahme seit der Erfassung im Jahr 1993.
Aleksandra Leon
/ afp