Der Wirtschaftsstandort Deutschland leidet. Der angeschlagene US-Handyhersteller
Motorola will seine Produktion in Deutschland zum Jahresende stoppen. Betroffen ist das Handywerk in Flensburg. Insgesamt 230 Mitarbeiter verlieren ihren Job, 650 Arbeitsplätze sollen ausgelagert werden. Bereits
Ende Mai hatte Motorola wegen der schlechten Wirtschaftslage Massenentlassungen angekündigt.
DHL soll Mitarbeiter übernehmen
Das zur Deutschen Post gehörende Logistikunternehmen DHL soll am 1. Dezember 650 Mitarbeiter übernehmen. Das berichtet die "Wirtschaftswoche". Ein Motorola-Manager begründet die Entscheidung gegenüber der Zeitung: "Es ist klar geworden, dass der Transport des Handys zum Kunden teurer ist, als die Produktion selbst." Zu einer vom Betriebsrat geforderten Arbeitsplatz-Garantie konnte sich Motorola nicht durchringen. Der Betriebsrat hatte gefordert, dass Motorola im Fall einer Entlassung der betroffenen Mitarbeiter in den kommenden Jahren einen Teil der Sozialplankosten übernehmen. Ein DHL-Sprecher sagte, die Verhandlungen mit Motorola seien noch nicht abgeschlossen.
Am morgigen Dienstag, 12. Juni, sollen Details zur Stellenauslagerung der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bereits zum 1. August werden die Handy-Produktion sowie Testlabore von Flensburg nach China verlagert. Das Flensburger Handywerk hatte in seinen besten Zeiten mehr als 3000 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz geboten, derzeit gibt es noch 1060 Beschäftigte.
Weitere Kündigungen geplant
Nach der Auslagerung zu DHL und den geplanten Kündigungen sollen vorerst 180 Mitarbeiter in Flensburg bleiben, im kommenden Jahr sollen aber weitere 80 Kündigungen ausgesprochen werden. Die verbleibenden 100 Mitarbeiter sollen in der Gesellschaft mit den Namen "Control Tower Motorola" bleiben. Diese soll Marketing- und Konzernabrechnungsaufgaben für die Motorola-Verwaltung im hessischen Taunusstein und für die Konzernzentrale in Schaumburg/Illinois wahrnehmen.
Stefan Hagedorn