Das Bundeskartellamt will offenbar einen möglichen Einstieg des Kabelnetzbetreibers
Kabel Deutschland (KDG) beim Mitbewerber
PrimaCom wegen eines Formfehlers untersagen. Derzeit läuft ein Entflechtungsverfahren gegen Kabel Deutschland, bestätigte eine Sprecherin der Kartellbehörde gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD).
Entflechtung beginnt
Die Kartellbehörde war vom geplanten Aktienkauf von Kabel Deutschland nicht fristgemäß informiert worden. Es geht dabei um eine Beteiligung in Höhe von
18,6 Prozent, die bisher der Aktionär Wolfgang Preuß gehalten hatte. Um den Aktienzukauf rechtskräftig werden zu lassen, muss er vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Das Entflechtungsverfahren ist nun der Beginn einer ausführlichen kartellrechtlichen Untersuchung, die bis zu vier Monate dauern kann.
Ein Sprecher von Kabel Deutschland bestätigte, dass nun Gespräche mit dem Kartellamt geführt werden. Die PrimaCom AG hält sich aus den Streitigkeiten bislang raus und verweist auf eine "Sache zwischen Verkäufer und Käufer". Auf eine bei kursrelevanten Entwicklungen verpflichtende Ad-hoc-Mitteilung hat das börsennotierte Unternehmen vorerst verzichtet.
Bereits vor einigen Jahren war Kabel Deutschland gescheitert, als es um eine Übernahme der in Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiven Kabelnetzbetreiber ish und Iesy ging. Beide Kabelunternehmen firmieren seit
wenigen Tagen nur noch unter der Marke
Unitymedia.
Rückt Orion Cable nach?
Seither ist Kabel Deutschland bemüht, durch Zukäufe von kleinen und mittelgroßen Firmen mit direkter Kundenbeziehung sein Breitband- und Fernsehgeschäft auszuweiten. In vielen Regionen betreibt KDG lediglich die Verteilnetze, die Hausanschlüsse werden von mittelständischen Unternehmen wie der PrimaCom vermarktet. Sollte das Kartellamt
Kabeldeutschland die rote Karte zeigen, stehen bereits weitere Interessenten Schlange. Beste Chancen auf eine Aufstockung ihrer Anteile hätte dann offenbar die Muttergesellschaft der Kabelnetzbetreiber EWT und Tele Columbus, Orion Cable. Derzeit hält das Unternehmen rund 27 Prozent der PrimaCom-Anteile.