Die Konsolidierung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt kommt in Fahrt. Überraschend hat die dänische Muttergesellschaft von Talkline, TDC, bekannt gegeben, die deutsche Tochtergesellschaft zu 100 Prozent an die Stuttgarter debitel AG zu verkaufen. Damit entsteht auf dem Markt der Mobilfunk-Service-Provider ein neuer Großkonzern. Zuletzt hatte auch freenet
Interesse an einer Talkline-Übernahme gezeigt, zog aber einmal mehr den Kürzeren.
Für 560 Millionen Euro verkauft
Nach TDC-Angaben übernimmt debitel seinen kleineren Konkurrenten für 560 Millionen Euro. In Zukunft wolle sich TDC auf den skandinavischen Markt konzentrieren, teilte das dänische Unternehmen heute mit. Über weitere Details zu dem eingefädelten Deal wurde Stillschweigen vereinbart. TDC war 1997 bei Talkline eingestiegen und konnte die Kundenzahl seither auf 3,8 Millionen steigern. Zum Vergleich: Debitel kommt auf insgesamt neun Millionen Kunden und ist damit der größte deutsche Mobilfunk-Service-Provider.
Neuer Versuch auf Discountermarkt
Für debitel bedeutet der Einstieg bei Talkline nicht nur die Übernahme werthaltiger Vertragskunden und einen Umsatzanstieg, sondern auch den zweiten Versuch, auf dem
Discounter-Markt Fuß zu fassen. Die einstige Billigmarke debitel-light wird seit November vergangenen Jahres vom Konkurrenten blau.de
geführt. Mit dem Einstieg bei Talkline sichert sich debitel die Kontrolle über die Billigmarke
callmobile.
Die Übernahme bedarf noch der Genehmigung durch die Kartellbehörden. Der endgültige Abschluss der Transaktion wird bis zum Herbst erwartet. In den kommenden Wochen will das Management beider Unternehmen ein detailliertes Integrationskonzept erarbeiten, in dessen Rahmen auch über eine veränderte Unternehmensstruktur und über die Frage der künftigen Markenpositionierung entschieden wird. Fest stehe aber schon jetzt, dass der Standort Elmshorn für debitel in der Gruppenstrategie eine wichtige Rolle spielen wird.
Hayo Lücke