Dienstag, 29.05.2007 09:54

Aus dem Leben eines Spammers

aus dem Bereich Sonstiges
Mit unerwünschten Werbemails hat er innerhalb weniger Jahre unzählige Postfächer zugemüllt. Bis zu 350.000 US-Dollar pro Jahr hat das Geschäft mit den Spam-Mails eingebracht. Das erklärte ein Insider, der unter dem Namen "Spammer X" auftritt, am vergangenen Freitag gegenüber dem österreichischen ORF. Doch er stieg aus dem schmutzigen Geschäft aus. Als Grund nannte "Spammer X", er wolle keiner "asozialen Gruppe" mehr angehören.

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Einstieg mit 22 Jahren

Im Alter von 17 bis 22 verdiente der US-Amerikaner sein Geld mit dem Versand von ungewollten Werbebotschaften. Er habe sich am Schluss als Abschaum gefühlt. Seine Eltern hassten, was er tat. Seine Erfahrungen veröffentlichte er in dem Buch "Inside the Spam Cartel". Besonders viel Geld lässt sich nach seinen Angaben mit Spam für Medikamente verdienen. Allein in den USA gelten neun Millionen Menschen als medikamentenabhängig, das erste Rezept holen sie sich noch beim Arzt, dann bestellen sie online, so die Erfahrungen des Profi-Spammers.

Spammer kennen auch kein soziales Gewissen. So plagte ihn auch keine Gwissensbisse, als er Zombie-Netze für seine Zwecke nutzte, das sind gekaperte Computer, die Spammer für ihr Machwerk nutzen. In Spammer-eigenen Newsgroups werden alle Informationen bereit gestellt, die man für die zweifelhafte Beschäftigung braucht. Allein an einem einzigen Tag, so berichtet Spamhaus.org, wurden 892.565 neue Zombie-Rechner registriert. Zwischen Infektion und erstem Spam-Versand liegen laut Spamhaus.org oft nur 30 Sekunden.

Spam überlebt, solange gekauft wird

Den Ausstieg vergleicht Spammer X mit einer Sucht, etwa zwei Jahre habe er für den Entzug gebraucht. Auf einem Spam-Symposium will er nun Aufklärungsarbeit leisten. "Nicht die Technik ist schuld, sondern die Gesellschaft", sagte der Spammer dem ORF. Solange jemand wegen oder durch Spam kaufe, werde es Spam geben. Das sei Kapitalismus. Spammer X kommt inzwischen auch gut ohne die Online-Welt aus: "Am Ende des Tages drehe ich den PC ab und das Internet ist weg. Ich mag das."
Stefan Hagedorn
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