Mobiler Fernsehempfang auf dem Handy, vor allem in Deutschland ein Projekt mit Hindernissen. Die beiden konkurrierenden Standards
DMB und
DVB-H machen es weder Programmveranstaltern, noch potenziellen Kunden leicht, sich für eine Übertragungsnorm zu entscheiden. Nun hat der amerikanische Mobilfunkspezialist
Qualcomm offenbar den europäischen Markt für sich entdeckt und plant, über den großen Teich zu expandieren. Entsprechende Ankündigungen machte Qualcomm-Vorstand Paul Jacobs gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD). "Handy-TV bedeutet eine große Möglichkeit für uns in Europa", sagt Jacobs.
Chancen in Europa
Vor allem bei den neuen breitbandigen Datenübertragungsdiensten hofft Qualcomm, in Europa Fuß zu fassen. Mehrere Mobilfunkunternehmen haben laut Jacobs bereits Interesse an der Technik angemeldet. Mit der britischen Pay-TV Plattform British Sky Broadcasting (BSkyB) wird bereits ein gemeinsamer Feldversuch für den TV-Standard Mediaflo durchgeführt. Die Chancen für eine europaweite Einführung sind aber gering. Vor allem die
starre Haltung der EU-Kommission, die für den DVB-H Standard votiert, stößt bei Qualcomm auf ungläubige Skepsis.
In 20 US-Bundesstaaten setzt der Mobilfunkbetreiber Verizon bereits die Qualcomm-Technik für die Handy-TV Übertragung ein. Die landesweite Telefongesellschaft AT&T, Marktführer in den USA, will im Laufe des Jahres nachziehen. Nach eigenen Angaben hat Qualcomm bislang mehr als 800 Millionen US-Dollar in den Handy-TV Standard gesteckt. Der in Eigenregie entwickelte Funkstandard CDMA hat die Position des Unternehmens in den USA und Asien in den letzten Jahren untermauert. In Europa hingegen ist der
GSM-Standard führend. Da Qualcomm auch die Patente der in Europa eingesetzten Technik-Generation einhält, wäre eine Markteinführung durchaus denkbar. Qualcomm hofft auch, preiswerte
UMTS-fähige Mobiltelefone mit den eigenen Chipsätzen nach Europa zu bringen. Davon verspricht sich das Unternemen auch eine Ankurbelung des Wettbewerbs.
Auseinandersetzung mit Nokia
Derzeit hat Qualcomm aber noch ganz andere Sorgen. Das US-Unternehmen muss sich einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem finnischen Handyhersteller
Nokia stellen. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht: Erst am gestrigen Donnerstag reichte Nokia eine weitere Klage ein. Neben den Finnen werfen auch andere Handyhersteller Qualcomm vor, ein unrechtmäßiges Monopol auf Patente für Mobilfunknetze der dritten Generation aufgebaut zu haben. In der EU und in Südkorea haben sich bereits die Kartellbehörden eingeschaltet. Allein in diesem Jahr kostet der Rechtsstreit Qualcomm etwa 200 Millionen US-Dollar.