Künftig könnten Zeitungen endgültig vom Papier abrücken. Die technischen Voraussetzung dafür rücken jetzt in greifbare Nähe. LG.Philips LCD hat ein Farb-Display entwickelt, der einen elektronischen Nachfolger für die Tageszeitung darstellen könnte. Wie die gedruckte Morgenlektüre kann das Display beliebig gebogen werden, aber ohne dass es zerknittert oder Eselsohren zurückbleiben.
14,1 Zoll Farb-Display
Das Unternehmen hat sich bei der Herstellung von TFT-Bildschirmen, so genannten Dünnschichttransistoren, in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Das 14,1 LC-Display kann mit einer farbigen A4-Seite verglichen werden. Der weltweit erste flexible 10,1 Zoll-Bildschirm in schwarz-weiß wurde im Oktober 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt, acht Monate später war das "ePaper" bereits mit einer Bildschirmdiagonale von 14,1 Zoll zu haben.
Das neue Display kann maximal 4.096 Farben darstellen und auch im 180 Grad-Winkel ohne Farbabweichungen problemlos betrachtet werden. Wie beim monochromen Vorläufer wird ein Plastiksubstrat verwendet, das Dünnfilmtransistoren (TFT) auf einer Metallfolie statt Glas ordnet und auch im verbogenen Zustand in seine ursprüngliche Form zurückkehrt.er Hersteller verspricht sich vom Einsatz des neuen Plastiksubstrates unter anderem eine deutlich längere Lebensdauer.
Frisch aus dem Labor: Ist das die neue Zeitung? Bild: LG.Philips
Die in Eigenregie entwickelte Verfahrenstechnik verhindert laut LG.Philips LCD auch bei hohen Temperaturen strukturelle Veränderungen der Stromkreise. Schwierigkeiten, die auf die mangelnde Hitzebeständigkeit der Metallfolien zurückzuführen sind, wurden beseitigt. Da nur bei Änderung des dargestellten Bildes Energie verbraucht wird, kann der neue Bildschirm getrost als wahres Energiewunder bezeichnet werden. Mit weniger als 300 Mikrometer fallen die Displays zudem extrem dünn aus. Die Bildqualität soll in etwa der von gedruckten Papierseiten entsprechen.
Boom für flexible Farbdisplays erwartet
Nach Schätzungen des koreanischen Display-Spezialisten Displaybank soll der Umsatz mit flexiblen Farbdisplays in den kommenden drei Jahren auf 5,9 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigen. Bis 2015 wird sogar mit einem Potenzial von jährlich zwölf Milliarden US-Dollar gerechnet.
Stefan Hagedorn