Die Routineaufgaben der Polizei spielen sich zunehmend im Internet ab. Bereits in zehn Bundesländern nimmt die Polizei Strafanzeigen online entgegen. An der Spitze steht mit durchschnittlich 20.000 Anzeigen pro Jahr das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland jedoch weit hinten.
Sechs Bundesländer "offline"
Nach einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) muss bei einer Anzeige noch in sechs Bundesländern persönlich eine Polizeiwache aufgesucht werden. Betroffen sind Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen. Per E-Mail eingegangene Hinweise werden aber auch in diesen Bundesländern bearbeitet.
In Nordrhein-Westfalen wird der Service bereits seit drei Jahren angeboten und stößt auf rege Resonanz. Durchschnittlich 20.000 Anzeigen erreichen die Polizeibehörden pro Jahr über das Internet. Damit nimmt das bevölkerungsreichste Bundesland den Spitzenplatz ein.
Virtuelle Polizei-Station immer beliebter
Für Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms liegen die Vorteile bei der elektronischen Wache auf der Hand. Durch den Wegfall der Hürde, persönlich eine Polizeistation aufzusuchen, erfährt die Polizei über die virtuelle Wache von mehr Straftaten als früher. Die elektronischen Bürgerdienste verstehen sich aber nur als Ergänzung zur Notrufnummer 110. Deutliche Unterschiede gibt es bei der Benutzerfreundlichkeit. In vielen Bundesländern wurden bereits umfangreiche Portale eingerichtet, die beispielsweise eine Vorauswahl des entsprechenden Delikts erlauben. Die eingegangen Anzeigen wird automatisch an die zuständigen Dienststellen weitergeleitet. Eine Empfangsbestätigung quittiert den Eingang bei den Behörden.
In der EU schneidet Deutschland bei der Erledigung von Behördengängen im Internet aber schlecht ab. Im Vergleich der 15 "Kernstaaten" erreicht Deutschland laut einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission nur Platz 13. Nur in Griechenland und Luxemburg ist der elektronische Bürger-Service noch spartanischer.
Stefan Hagedorn