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VoIP geht heute nichts mehr. Den Eindruck bekommt man zumindest, wenn man nach Südasien blickt: Wie die britische Rundfunkanstalt BBC berichtet, ist in Bangladesh ein Telekommunikations-Chaos ausgebrochen. Der Grund: Seit die Regierung ihr Verbot gegen die Internet-Telefonie durchgesetzt hat, ist die Kommunikation so gut wie unmöglich geworden. Das ist auch wenig verwunderlich, schließlich wurden bislang etwa 80 Prozent der Telefonate aus dem Ausland über das Internet abgewickelt.
Illegales Geschäft
Der VoIP-Markt in Bangladesch hat sich dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren ganz hervorragend entwickelt - auch wenn die Internet-Telefonie dort eigentlich illegal ist. Die Regierung hatte sie verboten, um die staatliche Telekommunikationsgesellschaft zu unterstützen. Die VoIP-Unternehmen wurden jedoch geduldet, der Staat sei eher selten gegen sie vorgegangen. Wie BBC schreibt, kursieren sogar Gerüchte, dass auch ranghohe Politiker im VoIP-Business mitmischten und vor allem mit verdienten. Das könnte das bislang geringe Interesse an der Durchsetzung des Verbots erklären: Solange nämlich der Markt nicht staatlich reguliert wird, werden für die Einnahmen auch keine Steuern fällig. Demnach hätte die Regierung auch kein Interesse an einer Legalisierung gehabt.
Regierung geht gegen VoIP-Anbieter vor
In den vergangenen drei Monaten soll sich das jedoch geändert haben. Die neue vom Militär gestützte Regierung habe den VoIP-Anbietern den Krieg erklärt. Demnach seien Politiker verhaftet und wegen Korruption angeklagt worden. Außerdem seien Tausende von VoIP-Shops abgerissen worden. Einer der Unternehmer gab an, dass die Polizei sein gesamtes Equipment mitgenommen habe. Nun fehlt die Infrastruktur für die vielen Telefonate, die in Bangladesch täglich getätigt werden. Da zu wenige Telefonleitungen vorhanden sind, haben die Menschen große Probleme, jemanden zu erreichen. Telekommunikation ist fast nicht mehr möglich.
Bis Ende April soll die Zahl der Leitungen verdoppelt werden. Dann stünden zwar 30.000 Leitungen bereit, für ein Land mit 140 Millionen Einwohnern reicht dies jedoch nicht aus. So wird den Bengalen wohl auch künftig nichts anderes übrig bleiben, als per E-Mail mit ihren Lieben im In- und Ausland in Kontakt zu bleiben.
Saskia Brintrup