Der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) erwartet weiterhin eine positive Entwicklung für die IT-Branche: Auf der CeBIT schätzte der Verband das wirtschaftliche Wachstum für 2007 auf zwei Prozent auf 149 Milliarden Euro. Für 2008 rechnet der Verband mit einem anhaltenden Wachstum um erneut zwei Prozent auf dann 152 Milliarden Euro Branchenumsatz. Wachstumsmotoren sind die Informationstechnik mit 3,5 sowie digitale Unterhaltungselektronik mit 6,5 Prozent.
Informatiker gesucht
Die positive Entwicklung könnte aber durch die problematische Situation auf dem Arbeitsmarkt gehemmt werden: Laut einer Bitkom- Umfrage gibt es aktuell 20.000 offene Stellen in der IT-Branche. Dabei fehle es vor allem an hochqualifizierten Mitarbeitern wie Software-Entwicklern, IT-Beratern oder Projektmanagern, bemängelt Willi Berchtold, Präsident des Bitkom.
Die Unternehmen klagten zunehmend über Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sagt Berchtold. Jedes zweite Unternehmen werde durch den Fachkräftemangel in seinen Wachstumschancen gebremst. 57 Prozent der Firmen könnten Stellen mit IT-Know-how entweder gar nicht mehr oder nur unter erheblichen Schwierigkeiten besetzen. Das seien alarmierende Werte.
Bildungssystem nachbessern
Als Lösungsansatz fordert Berchtold eine Reform des Bildungswesens. Ein Grund für den Mangel an Informatikern in Deutschland sei vor allem das zu theoretische Informatikstudium. Seit dem Boomjahr 2000 hat die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik um ein viertel abgenommen. Hinzu kommt, dass viele Studenten ihr Studium abbrechen. "Das Informatikstudium muss attraktiver werden, um die Abbrecherquote zu senken und mehr Schulabgänger anzuziehen", so Berchtold. Auch in der Schule müsse mehr getan werden, um das Interesse der Jugendlichen für die Informatik zu wecken: Der Verband klagt den PC-Mangel an deutschen Schulen an und fordert mehr Zeit für technische und naturwissenschaftliche Fächer.
Als kurzfristige Lösung sieht der Bitkom eine einfachere Zuwanderung ausländischer Fachkräfte, um den Bedarf der Wirtschaft an Ingenieuren und Informatikern zu decken. Bisher müssen Fachleute aus dem Ausland mindestens 84.000 Euro pro Jahr verdienen, um langfristig in Deutschland arbeiten zu können. Hier fordert der Bitkom eine Halbierung der Einkommensgrenze. Aber nicht zuletzt von der Wirtschaft selbst müsse etwas gegen den Fachkräftemangel getan werden, so Berchtold. "Sich über den Fachkräftemangel zu beklagen sei eine Sache, etwas dagegen zu unternehmen eine andere".