Betroffen sind fast immer so genannte Penny-Stocks, Aktien die unter einem Euro gehandelt werden, denn hier kann bereits mit kleineren Handelsvolumina ein hoher Kurssprung verursacht werden. Meist ist dann der arglose Spam-Empfänger der Geprellte, denn er kauft die Aktie in gutem Glauben und der Aktienkurs stürzt nach zwei bis drei Tagen wieder ins Bodenlose.
Das nächste Opfer
Das wissen auch die unbekannten Spammer mit dem erfundenen Absender "Deutscher Anlage Report". Sie haben sich bereits das nächste Ziel ausgesucht, um weiter Kasse zu machen: Die Regensburger Adori AG, ein Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche, das 2004 Insolvenz anmelden musste. Seitdem befindet sich die Aktie im Keller. Bis vor zwei Tagen der erste Stock-Spam eintrudelte.
Das nächste Opfer des Stock-Spams. Quelle: Ariva.de
Der Betreff:
"Ein weiterer heißer Tipp: Die Aktie der Adori AG wird zur Kursrakete". Und siehe da: Die Frankfurter Börse zeigt erste Reaktionen. Der Aktienkurs schnellt seit dem vergangenen Mittwoch in die Höhe. War eine Aktie der Adori AG am 16. Februar noch rund 2,8 Cent wert, so hatte sie gestern ihren vorläufigen Höhepunkt bei 9,5 Cent, fiel bis zum Börsenschluss aber wieder auf 7,1 Cent pro Stück. Die Spammer locken ihre Opfer ganz geschickt auf eine falsche Spur. Das Aktienziel sei ein Euro pro Stück bis zum 10. März 2007, heißt es in der Spam-Mail. Bis dahin dürfte der Traum vom großen, schnellen Geld von so manch gutgläubigem Anleger aber längst wieder zerplatzt sein.
Die Verbraucherzentrale rät den Empfängern solcher Spam-Mails zur Vorsicht. "Bei Aktiengeschäften sollte sich der Anleger von Fachkräften beraten lassen und sich nicht auf E-Mails verlassen", sagt Carola Elbrecht, Spam-Expertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Empfänger solcher E-Mails solle immer im Auge behalten, dass mit solchen Aktienkäufen vor allem die Spammer bereichert werden. "Einfach nicht auf die E-Mail reagieren und am besten gleich in den Papierkorb wandern lassen", rät Elbrecht den Verbrauchern.
Verschleierte Wege
Wo genau diese dubiosen neuen Anlegertipps herkommen, ist bislang noch unklar. Die Spur verliert sich auf einem chinesischen Server. Die Spammer leiten die E-Mails über Umwege an ihr Ziel, so dass man die Herkunft nicht mehr ohne weiteres nachvollziehen kann. In den USA ist dieser "Stock-Spam" bereits weit verbreitet, wie unter anderem die Internetseite
Spamstocktracker.com demonstriert. In Deutschland hielt sich die E-Mail-Flut bislang noch in Grenzen.