Vor etwa einem Jahr überraschte Apple seine Fans mit dem Programm Bootcamp: Es erlaubt den Nutzern Windows XP auf Intel-Macs zu installieren. Von dem Nachfolger Vista möchte Apple dagegen zumindest noch nichts wissen. Das gilt sowohl für Vista auf dem Mac als auch für Apple-Software auf dem Vista-PC.
Vista ausgesperrt
Mit Bootcamp ist die Installation von Windows XP auf dem Mac denkbar einfach und auch der parallele Betrieb von Mac OS X und Windows XP ist möglich. Doch eine Version, die Windows Vista auf den Mac bringt, gibt es von Apple noch nicht. Das ist verwunderlich, zumal aus technischer Sicht der Schritt zum Vista-Bootcamp nicht groß wäre. In Internet Foren findet man bereits viele Nutzer, die den Umstieg auf Vista für ihren Mac vollzogen haben. Zudem leistet Apple für das Bootcamp-Programm ohnehin keinen Support und müsste sich somit über eventuell aufkommende Fehler bei der Vista-Nutzung keine zu großen Gedanken machen.
Doch nicht nur bei Bootcamp meidet Apple Vista: Bereits vergangene Woche wurde
bekannt, dass Vista den iPod zerstören kann. Wer den iPod via iTunes auf seinem Vista-PC mit Songs betankt, muss beim Ausstöpseln fürchten, dass die Datenstruktur des Players zerstört wird. Außerdem spielt iTunes einige Songs nicht ab, die der Vista-Nutzer vor dem Upgrade auf Vista erworben hat. Und auch Apples bekannter Quicktime-Player schwächelt unter Vista; hier kommt es vermehrt zu Abstürzen während der Wiedergabe von Videos. Der Player ist zum Abspielen von Videoclips auf zahlreichen Internet-Websites zwingend erforderlich. Eine offizielle Version für Vista hat Apple bisher weder von iTunes noch von Quicktime bereitgestellt.
Veräppelt
In den TV-Spots nimmt Apple Vista auf die Schippe
Es drängt sich der Gedanke auf, dass die Jungs um Steve Jobs die Einführung von Windows Vista schlicht verschlafen haben. Schockiert stellen sie nun fest, dass sich ihre Programme nicht eins zu eins von XP auf Vista portieren lassen. Bei Microsoft liegt die Schuld für die Kompatibilitätsprobleme jedenfalls nicht: Schon lange vor der ersten Vista-Beta hat Microsoft die Entwickler aufgefordert, Treiber und Programme an Vista anzupassen. Dass die Hersteller dem Aufruf folge leisten, darf der Software-Gigant Microsoft dabei erwarten. Schließlich ist Windows das mit Abstand populärste Betriebssystem. Hersteller, die Vista nicht unterstützen, schaden sich somit nur selbst.
Eine andere Theorie für die Vista-Blockade lassen Apples neue
TV-Spots aufkommen: In den Clips scherzt das Unternehmen über die Probleme beim Umstieg auf Vista und fordert zum Wechsel auf den Mac auf. Vielleicht zeigt Apple Vista absichtlich die kalte Schulter – Kunden sollen doch gefälligst zum Mac greifen, wenn sie die Vista-Probleme satt haben. Die Aussagen von Kritikern, Vista sei zwar sicherer, aber auch umständlicher als XP, stärkt Apple dabei den Rücken.
Ohne geht nicht
Vielleicht ist es aber auch eine Mischung aus beidem: Apple macht aus der Not eine Tugend und nutzt die Probleme mit Vista als Argument für den Wechsel auf den Mac – hier funktionieren schließlich alle Apple-Programme tadellos. Eines ist dabei aber sicher: Langfristig wird Apple nicht um die Anpassung der Software für Windows Vista herumkommen. Denn auch mit Windows-Nutzern verdient Apple Geld – alleine durch den Kauf von iPods und den Musikdownload via iTunes haben gerade die Windows-Nutzer dem Apfel-Unternehmen zu einem
Rekordgewinn verholfen. Allzu schlecht sollte Apple seine Stiefkinder also nicht behandeln.