Für die erste Million Spieler brauchte Second Life drei Jahre, für die zweite Million vor Weihnachten ganze acht Wochen. Und jetzt sind es bereits gut 2,7 Millionen. Das Vorbild der Deutsch-Chinesin Anshe Chung, die in der virtuellen Welt dieses Computerspiels mit geschenkten 9,95 Dollar Startkapital zur ganz realen Millionärin geworden sein will, lockt massiv Nachahmer an.
Träumen vom großen Geld
"Angeblich kann man da mächtig Geld verdienen", sagt Peter Schmitz, Spielexperte des Magazins für Computertechnik c't. "Doch ich kenne niemanden, der dort auch nur annähernd seinen Lebensunterhalt bestreiten kann." Gleichwohl hat die ganz reale Wirtschaftswelt das Paralleluniversum längst für sich entdeckt - Second Life wird zu einem regelrechten Marktplatz ausgebaut.
Second Life ist eine kostenpflichtige dreidimensionale Internetwelt des Anbieters Linden Lab, in der die Spieler ein von ihnen selbst erfundenes zweites Leben führen. Anshe Shung arbeitete sich in der fiktiven Welt zur Herrscherin über ein Immobilienimperium hoch. Die Immobilien sind zwar nur fiktiv. Doch lässt sich das Spielgeld Linden Dollar in reale Dollar wechseln - und kann so im besten Falle durchaus reale Karrieren befördern. Täglich werden rund 850.000 US-Dollar umgesetzt - Trend steigend.
Finanzen in "Second Life"
"Alles was Sie dort tun, kostet Geld", sagt Schmitz. Wer etwa mit seinem "Avatar", dem dreidimensionalen gepixelten zweiten Ich, eine Diskothek besuchen will, muss sich vorher die entsprechende Animation kaufen, die Tanzbewegungen erst ermöglicht. Inzwischen entdecken deshalb immer mehr Unternehmen das Onlinespiel für eigene Geschäftsideen und eröffnen virtuelle Firmenfilialen. Die Liste der Marketing-Projekte reicht von Adidas bis Vodafone. Wo es um virtuelle Immobilien und Geschäfte geht, wird es offenbar auch für professionelle Investmentpartner interessant. ABN AMRO ist die erste europäische Bank, die eine virtuelle Niederlassung in Second Life gegründet hat, um auf die 3D-Welt zugeschnittene Finanzdienstleistungen anzubieten.