Erfurt, Emsdetten und was noch? Die Debatte über "Killerspiele" ist nicht nur in Deutschland mit dem Amoklauf eines 18-jährigen Schülers vor rund acht Wochen neu entbrannt. Auch in Europa werden Rufe nach schärferen Regeln für gewaltverherrlichende Computerspiele lauter. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) muss sich am Dienstag auf Druck aus Brüssel mit ihren EU-Kollegen in Dresden über das Thema beugen - auch wenn die Debatte bei ihr Stirnrunzeln auslöst.
Viele Bundesbürger gegen "Killerspiele"
Für die meisten Bundesbürger liegt die Antwort auf der Hand: Ein Verbot von "Killerspielen" müsse her, antworteten 65 Prozent bei einer kürzlich veröffentlichten Allensbach-Umfrage. Nur 34 Prozent und damit ein gutes Drittel glauben, dass ein solches Verbot wirkungslos wäre.
Auch Franco Frattini kann sich über die "obszönen und perversen Spiele" in Rage reden. Der italienische EU-Justizkommissar und bekennende Katholik hat an seine europäischen Kollegen einen Brief geschrieben. Der 49-Jährige ruft die Justizminister darin auf, ihrer "Verantwortung zum Schutz der Kinder" gerecht zu werden. Für ihn ist ausgemacht, dass Spieler, die am Computer Menschen abschießen, auch in der Realität vor Gewalt nicht zurückschrecken.
Frattini plädiert für schärfere Kontrollen: Die EU müsse verhindern, dass gewaltverherrlichendes Material in die Hände von Minderjährigen gerät. "In einigen Ländern kann man Videospiele oder DVDs kaufen, ohne den Personalausweis vorzeigen zu müssen", empört sich der Vater einer jugendlichen Tochter. Er will nun zunächst mit Herstellernverbänden und Jugendschützern über eine freiwillige Selbstverpflichtung reden. Für den Fall, dass dies nichts fruchtet, will er mit den EU-Justizministern die Möglichkeit für härtere Kontrollen abstecken. Verkäufern, die nicht jugendfreies Material weitergeben, droht er mit Strafen.