Donnerstag, 28.12.2006 09:14

Gezerre um VDSL - Das Breitband-Jahr 2006

aus dem Bereich Breitband
Im September werden von der Telekom neue Tarife eingeführt. Drei für Kunden, die nur über das Festnetz telefonieren wollen und drei für Kunden, die zusätzlich über eine DSL-Leitung im Internet surfen möchten. VDSL und die IPTV-Pakete lassen weiter auf sich warten.

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September: Telekom muss öffnen

Nun ist es amtlich: Der so genannte IP-Bitstrom-Zugang wird reguliert. Die Bundesnetzagentur verpflichtet die Telekom, Wettbewerbern auf Nachfrage einen entbündelten Breitbandzugang auf der Basis des Internetprotokolls zu gewähren und dies gelte auch für die neue VDSL-Technik. Die Telekom soll einen ersten Angebotsvorschlag ausarbeiten und dem Regulierer vorlegen.

Die Wettbewerber Hansenet und Arcor erklären derweil die Verhandlungsgespräche mit der Telekom für gescheitert. Die Wettbewerber fordern Zugang zu Kabelverzweigern und Leerrohren, die Telekom weigert sich. Hansenet droht nun seinerseits mit einem Investitionsstopp, Arcor will ein Beschwerdeschreiben an die Bundesnetzagentur schicken. Die Telekom verkündet zudem schlechte Neuigkeiten: Mehr als eine halbe Million Kunden hat der rosa Riese im Festnetzgeschäft innen des ersten Halbjahres verloren. Die ersten ersthaften Gerüchte um eine mögliche Ablösung Kai-Uwe Rickes kursieren in den Medien. Der Bundestag beginnt derweil, sich mit dem "Telekom-Gesetz" zu beschäftigen.

Oktober: Arcor beschwert sich

Telekom-Wettbewerber Arcor reicht das Beschwerdeschreiben bei der Bundesnetzagentur ein. Nach erheblichen Verzögerungen fällt der Startschuss für das T-Home-Angebot, das über die schnellen VDSL-Leitungen realisiert wird. Drei neue Triple-Play-Pakete bietet die Telekom ihren Kunden nun an. Wie vermutet, wird das VDSL-Angebot zunächst nur mit der halben Bandbreite realisiert. Wenige Tage nach dem Start korrigiert der Ex-Monopolist seine Erwartungen nach unten, der Konzern rechnet nun doch mit erheblich weniger Kunden für das so genannte T-Home-Angebot auf VDSL-Basis. Der Streit zwischen Bundesregierung und EU-Kommission spitzt sich derweil immer weiter zu. Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt in einer offiziellen Stellungnahme die zentralen Forderungen der Kommission ab. Die Kommission droht erneut mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.

November: Telekom-Chef muss gehen

Die Bundesregierung erklärt erneut, eine Vertragsverletzungsverfahren in Kauf zu nehmen. "Wir sehen das gelassen", verlautet es aus deutschen Regierungskreisen. Die Koalitionsparteien nickten die neue Fassung des Telekommunikationsgesetzes ab. Immer mehr Telekom-Wettbewerber drohen nun, ihre Investitionen in Deutschland zurück zu fahren. "Das ist ein dramatisches Signal an alle Investoren", sagt Breko-Geschäftsführer Rainer Lüddemann. Die Telekom spricht vor der Presse in versöhnlichen Tönen: Sie wolle das Netz mit anderen teilen, allerdings nur zu den eigenen Bedingungen und Preisen. Die Wettbewerber lehnen ab. Das neue Gesetz wird derweil auch vom Wirtschaftsausschuss und vom Bundestag durchgewunken. Das Personalkarussell der Telekom beginnt sich zu drehen: Kai-Uwe Ricke muss seinen Chefsessel an René Obermann abgeben. In den kommenden Monaten ist Stühlerücken im Konzern angesagt.

Dezember: Bundesrat stimmt für Gesetz

Überraschend kündigen die Bundesländer Niedersachsen und Hamburg Widerstand gegen das "Telekom-Gesetz" an. Der jetzigen Fassung wollen sie nicht zustimmen. Die Deutsche Telekom legt das vom Regulierer geforderte Angebot für den IP-Bitstrom-Zugang vor. Entbündelte Anschlüsse und einen Zugang zum VDSL-Netz sieht der Vorschlag nicht vor. Damit ignoriert der Bonner Konzern die grundlegenden Forderungen der Netzagentur. Das "Telekom-Gesetz" passiert auch den Bundesrat und die EU-Kommission bereitet das Verfahren gegen Deutschland vor. Ein Ende des Streits um das schnelle VDSL-Netz ist bislang nicht abzusehen.
Denise Bergfeld
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