Die Staatsanwaltschaft sieht dies nüchterner. Emotionslos schildert Anklägerin Liane Brosch am ersten Verhandlungstag, wie der im vergangenen Mai Festgenommene bei der Kundenwerbung vorgegangen sein soll. Unter dem Psydonym "Paul de Vitt" und mit dem Spitznamen "Buddha" habe er in dem einschlägigen Internet-Forum Kontakt zu "suizidgeneigten Personen" hergestellt - "weil er sich von diesem Personenkreis die beste Absatzmöglichkeit versprach", betont Brosch.
Vor dem Suizid beraten
S. habe seine Kunden zunächst beraten und ihnen Empfehlungen gegeben, wie sie die hochwirksamen Präparate einnehmen sollten. Dann habe er insgesamt 18 potenziellen Selbstmördern die verschreibungspflichtige Arznei "mit hohem Gewinn" verkauft. Der Computer, an dem S. seine Geschäfte abwickelte, stand nach Erkenntnissen der Ermittler in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung in Wuppertal.
Gefälschte Rezepte
Insgesamt erhielt S. der Staatsanwältin zufolge 7880 Euro für die Medikamente, die er sich zum Teil durch gefälschte Rezepte verschafft haben soll. Auch in "Naturalien" ließ sich der 23-Jährige laut Anklage bezahlen - zwei Laptops soll er als Entlohnung angenommen haben, außerdem eine Digitalkamera. Damit kein Verdacht auf ihn fiel, soll S. seine Kunden dazu aufgefordert haben, alle Unterlagen und Medikamentenpackungen zu vernichten. Außerdem sollten die Betroffenen - falls sie überlebten - keine Angaben zur Herkunft der Medikamente machen.
Von einer Bereicherungsabsicht will der weitgehend geständige S. zum Prozessauftakt allerdings nichts wissen. Er habe den Kaufpreis vielmehr als "Ausgleich" für die aufwändige Beschaffung der gefälschten Rezepte angesehen, lässt der Angeklagte seinen Verteidiger erklären. Ansonsten gibt sich S., der im Sommer 2004 in Wuppertal das Abitur machte, am ersten Verhandlungstag reuig: Er bedauere sehr, dass er den Betroffenen Leid bereitet habe. "Und ich möchte mich dafür entschuldigen".
Denise Bergfeld
/ afp