Als Folge der Schmiergeldaffäre muss Siemens sein geplantes Joint-Venture mit dem finnischen Nokia-Konzern verschieben. Wie beide Unternehmen in München mitteilten, soll Nokia Siemens Networks nun voraussichtlich erst später im ersten Quartal 2007 starten. Bisher war der Start für den 1. Januar geplant.
In das Gemeinschaftsunternehmen soll die ehemals größte Siemens-Sparte Telefonnetze eingehen. In der Schmiergeldaffäre sind derweil neben dem festgenommenen Ex-Vorstandsmitglied Thomas Ganswindt angeblich weitere Top-Manager belastet worden.
Telefonnetzsparte im Visier
In ihrem gemeinsamen Statement wiesen die Konzerne darauf hin, dass die Ermittlungen gegen Siemens sich auch auf die Telefonnetzsparte beziehen. Die bisherigen Vereinbarungen zwischen beiden Konzernen müssten deshalb revidiert werden. Bevor das Joint-Venture gestartet werden könne, werde Siemens in seinen internen Kontrollen sicher zu stellen haben, dass es in dem Unternehmen kein ungesetzliches Verhalten gebe.
Diese Überprüfung, an denen sich auch Nokia beteiligen werde, solle im ersten Quartal stattfinden. Damit das Joint-Venture dann starten könne, müsse es vorher noch eine Vereinbarung zwischen den Konzernen über die Ergebnisse und Konsequenzen aus diesen Kontrollen geben.
Kleinfeld noch zu halten?
Bereits in den vergangenen Tagen hatte es Spekulationen gegeben, dass Siemens-Chef Klaus Kleinfeld nicht mehr zu halten wäre, sollte Nokia wegen der Korruptionsaffäre die geplante Zusammenarbeit platzen lassen. Die Affäre um schwarze Kassen hatte sich in den vergangenen Tagen ausgeweitet. Laut "Süddeutscher Zeitung" wurden neben dem festgenommenen Ex-Vorstandsmitglied Thomas Ganswindt weitere Top-Manager belastet. Mehrere der von der Staatsanwaltschaft Beschuldigten hätten außer Ganswindt auch die Namen anderer Führungskräfte genannt, die von Schwarzgeldkonten oder Korruption gewusst haben sollen. So habe der seit Mitte November in Haft sitzende ehemalige Finanzvorstand der Sparte Telekommunikation (Com) entsprechende Angaben gemacht.
Zu Beginn der Woche hatte der Konzern angekündigt, dass er die internen Kontrollen verbessern wolle. Dazu wurden auch renommierte externe Prüfer engagiert.
Aleksandra Leon
/ afp