Dienstag, 05.12.2006 17:23

Flat ist nicht gleich Flat - Arcor mahnt Kunden ab

aus dem Bereich Breitband
Daniel M.* ist sauer. Seit vier Jahren ist er Kunde bei Arcor, bislang immer zufrieden mit den Leistungen seines Anbieters. Seit dem vergangenen August hat er die "International-Flat" für knapp 20 Euro im Monat zu seinem Tarif hinzu gebucht. Ohne weitere Kosten kann er so Gespräche ins Festnetz von 26 Ländern führen. "Ich telefoniere ausschließlich in die USA, wo meine Freundin lebt", sagt Daniel M. Sechzig bis achtzig Stunden, schätzt er, würde er schon im Monat mit ihr über die Arcor-Leitung sprechen. Doch damit könnte bald Schluss sein: Im vergangenen Monat flatterte ihm eine böse Überraschung ins Haus.

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Arcor mahnt ab

Als Daniel M. am 21. November seinen Briefkasten öffnete, fand er dort eine Abmahnung seines DSL Anbieters. Arcor forderte den Kunden schriftlich dazu auf, seine Auslandsgespräche "umgehend und erheblich zu reduzieren". Andernfalls würde sich das Unternehmen vorbehalten, die Auslandsflatrate zu kündigen. Für Daniel M. ein Schock: "Wenn man eine Auslandsflat hat, nutzt man sie ja eigentlich so, wie man möchte", sagt der langjährige Arcor-Kunde.

"Endlos telefonieren" ein Reinfall?

Dies suggeriert auch die Werbung. Von "endlos telefonieren" ins Festnetz von insgesamt 26 Ländern ist dort die Rede. Doch in der Praxis ist Flatrate nicht gleich Flatrate und Daniel M. kein Einzelfall. Aus einem internen Papier, das unserer Redaktion vorliegt, geht hervor, dass 47 Arcor-Kunden zum 1. Januar die Tarifoptionen "Euro-Flat" oder "International-Flat" gekündigt wurden. Sie hätten laut Arcor ihre Auslandsflat weit überdurchschnittlich genutzt. Darüber hinaus wurden neben Daniel M. rund 1.000 weitere Kunden angeschrieben, mit der Bitte, die Auslandsgespräche umgehend und erheblich zu reduzieren.

Die Pressestelle von Arcor bestätigte, dass Kunden schriftlich benachrichtigt wurden, die Zahl der angeschriebenen Kunden hingegen nicht. Es handele sich um Einzelfälle. "Bei den betroffenen Kunden ging die Nutzung der Auslands-Flatrate weit über den privaten Gebrauch hinaus", sagt Arcor-Sprecher Paul Gerlach. "Da mussten wir irgendwann einschreiten". Doch die Kunden könnten beruhigt sein, wer die Auslands-Flat privat innerhalb der Familie nutze, könne dies auch wie bisher ohne Probleme tun. Die Pressestelle verwies bei den ausgesprochenen Kündigungen und Abmahnungen auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Unternehmens.

Lesen Sie auf Seite 2: Die Verbraucherzentrale nimmt den Fall unter die Lupe
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